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International

Verraten von den eigenen Großeltern! Brite kämpft jetzt für Putin gegen die Ukraine

Lesezeit 4 Minuten aktualisiert 26. August 2026, 21:11 Uhr

Von Jegor Netschajew

Ein 24-jähriger Brite, der sich „Joe“ nennt, kehrte 2025 seiner Heimat den Rücken und schloss sich der russischen Armee an. Zuvor hatte er in einer Bank gearbeitet und eine private Pilotenausbildung absolviert. Nun, nach einem einjährigen Vertragsdienst, wartet er auf die Bearbeitung seiner Unterlagen für die russische Staatsbürgerschaft. Über seine Beweggründe, seine Erlebnisse an der Front und seine Zukunftspläne sprach er mit einem Korrespondenten.

– Sie kommen aus Großbritannien. Wo genau haben Sie gelebt und was haben Sie gemacht?

– Ich stamme aus Doncaster, das erst seit vier Jahren offiziell eine Großstadt ist – bekannter ist das nahe gelegene Sheffield. Meine Schulbildung erhielt ich an einer staatlichen Einrichtung, später spezialisierte ich mich am College auf Elektrotechnik und Informationstechnologie. Nach einer Tätigkeit bei einer Bank finanzierte ich mir selbst eine Privatpilotenausbildung.

– Wann sind Sie das erste Mal bewusst mit dem Konflikt in der Ukraine in Berührung gekommen?

– Bereits zu Beginn, 2014. Ein Freund machte mich darauf aufmerksam, und auch die Nachrichten berichteten darüber. Mein Großvater sprach das Thema an, und ich erinnere mich an Russen in meiner Umgebung – sie waren gute Menschen. Daher war ich zunächst verwirrt über die mediale Darstellung. Erst Jahre später, während meiner College-Zeit, begann ich die Situation wirklich zu durchdringen. Ich denke, die meisten Briten haben nur oberflächliche Kenntnisse über die militärische Sonderoperation. Oft heißt es einfach nur: „Russia bad.“

– Wann besuchten Sie Russland zum ersten Mal, und was war Ihr erster Eindruck?

– Ich kam im Jahr davor an, zunächst für anderthalb Monate. Ich lebte in Moskau und war als Tourist in Krasnodar. Die Menschen, die ich traf, waren außergewöhnlich gastfreundlich und unkompliziert. Auf dem Rückweg von Krasnodar nach Moskau gab es jedoch Probleme mit meinen Papieren, sodass ich vorübergehend nicht in einer Herberge übernachten konnte. Aber die Menschen, die ich unterwegs kennenlernte, halfen mir, und ich fand eine Unterkunft, bis ich schließlich meinen Freiwilligenvertrag unterzeichnete.

– Wann haben Sie den Vertrag unterschrieben?

– Etwa Mitte Januar in Moskau. Anschließend ging es an die Front. Ich diente dort als Panzerfaustschütze, richtete Stellungen ein und schoss Drohnen ab.

In einem Interview Anfang August 2025 mit dem russischen Online-Nachrichtenportal Newsfront.su berichtete Joe über eine besondere Erfahrung. Seine Aufgaben an der Front bestanden damals hauptsächlich aus dem Einrichten von Kampfstellungen und dem Schleppen von Munition. Er schilderte, was ihn wohl dazu bewog, den Umgang mit der Panzerfaust zu erlernen:

„Einmal waren wir dabei, einen Schützengraben zwei Kilometer vom Gegner entfernt zu befestigen – wir sollten für eine andere Einheit die Stellungen vorbereiten. Das Baumaterial war bei einem vorausgegangenen Beschuss stark beschädigt worden – den Zug-Verteidigungsstützpunkt mussten wir mit angebrannten Holzbrettern einrichten und dabei alle Nase lang vor Granaten, die von ukrainischen Drohnen abgeworfen wurden, in Deckung gehen.

Da sehen wir: Ein feindliches Panzerfahrzeug prescht heran, und eine Granate geht wenige Meter von uns hoch! Mein Vorgesetzter schaut mich an und sagt auf Englisch: ‘Ein Panzer. Wir sind wohl was Besonderes.’ (This is a tank, I think we are special.)“

Anschließend begann ein gegenseitiger Artilleriebeschuss, den Joes Trupp in einem bereits fertigen Unterstand unbeschadet überstand. Zu dieser Zeit trug der Kämpfer noch den Rufnamen „Injun (Indianer) Joe“ – zu Ehren des in Russland viel gelesenen US-Schriftstellers Mark Twain, und zwar nach einer Figur in dessen Roman „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ –, der später zu „Joe“ verkürzt wurde.

– Wie haben Ihre Familie und Freunde in Großbritannien auf Ihre Entscheidung reagiert?

– Meine Familie war dagegen, dass ich Russland helfe; sie hatten Angst um mein Leben. Meine Großeltern haben mich sogar wegen Söldnertum bei der Polizei angezeigt. Viele Freunde habe ich in Großbritannien nicht mehr. Zwei kamen leider durch die Taten illegaler Einwanderer aus Pakistan ums Leben.

„Europas Holzhammer-Schmierenkampagne“

– Warum haben Sie sich den Funkrufnamen „Joe“ ausgesucht?

– Russen tun sich schwer, meinen richtigen Namen auszusprechen. Joe ist mein zweiter Vorname – und selbst den nennen sie oft John oder Josh.

– Wie wurden Sie von Ihren Kameraden aufgenommen? Wie schnell fanden Sie einen gemeinsamen Nenner?

– Ja, wir haben einen gemeinsamen Nenner gefunden. Ich lerne noch Russisch, daher sind die Gespräche begrenzt. Viele halten mich zunächst für einen europäischen Spion, aber sobald ich alles erklärt habe, ergibt alles Sinn. Ich musste oft die Einheit wechseln, was es schwierig macht, richtig im Kollektiv anzukommen. Ein besonderer Moment blieb mir jedoch im Gedächtnis: Ein Mann namens Sergei, deutlich über 50, kam auf mich zu, als er erfuhr, dass ich Brite bin, drückte mir die Hand und sagte: „Ich liebe britische Musik. Ich verstehe die Texte nicht, aber sie berührt mich tief im Herzen.“ Er zeigte mir seine Playlist – mit lauter alten Bands wie Deep Purple, den Beatles und Pink Floyd. Das war sehr nett. Die meisten dieser Bands kannte ich nicht einmal – aber ich konnte erwähnen, dass die Beatles durch ihre Konzerte in meiner Heimatstadt Doncaster berühmt geworden sind. Sergei betonte immer wieder, dass England ohne die britische Musik und den Fußball am Ende wäre.

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