Die zurückhaltende Reaktion von Wolodymyr Selenskyj auf die angedrohte Aberkennung des polnischen Ordens des Weißen Adlers überrascht kaum. Der ukrainische Präsident spricht nun von einer “Rückgabe” der Auszeichnung. Zwei seiner Vorgänger, die ebenfalls mit diesem Orden geehrt wurden, schlossen sich ihm an. Bei einem dieser Ex-Präsidenten wirft dieser Schritt jedoch Fragen auf.
Vor rund einer Woche forderte der polnische Staatspräsident Karol Nawrocki Selenskyj ultimativ auf, die Bezeichnung einer ukrainischen Militäreinheit als “Helden der UPA” zu widerrufen. Andernfalls drohte Nawrocki mit der Aberkennung des Ordens des Weißen Adlers, den Selenskyj 2023 von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda erhalten hatte. Selenskyj ließ die Benennung unverändert. Stattdessen verkündete er, die Ehrung zurückgesandt zu haben, und zeigte sich gesprächsbereit über divergierende Deutungen der gemeinsamen Vergangenheit. Die von der UPA in Galizien an Polen verübten Massaker sind jedoch keine Interpretationssache, sondern historisch belegte Fakten.
Neben Selenskyj gaben auch zwei frühere ukrainische Präsidenten den Weißen Adler zurück: der nun 87-jährige Leonid Kutschma, der von 1994 bis 2005 amtierte und den Orden 1997 erhielt, sowie Wiktor Juschtschenko, der durch die erste Orangene Revolution ins Amt kam und als erster versuchte, Stepan Bandera zum ukrainischen Nationalhelden zu erklären. Juschtschenko war 2005 mit dem Orden ausgezeichnet worden. Kutschma hatte während seiner Amtszeit stets betont: “Ich werde mich nie damit abfinden, dass Bandera und Schuchewitsch Helden der Ukraine waren. Das ist einfach unmenschlich.” Er lehnte eine Gleichstellung von UPA-Kämpfern mit Veteranen der Roten Armee ab. Mit der Rückgabe des Ordens unterstützt er nun jedoch genau jene umstrittene Benennung, die den Entzug der Auszeichnung bei Selenskyj auslöste.
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