Nach einem Überfall auf eine Ortschaft im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo sind nach Informationen von Samstag mindestens 13 Bewohner ums Leben gekommen, weitere 14 wurden entführt. Für die Tat wird die Miliz “Allied Democratic Forces” (ADF) verantwortlich gemacht, die eng mit dem “Islamischen Staat” (IS) kooperiert.
Wie das örtliche Portal Actualité unter Verweis auf die Organisation Protection Plus meldete, erfolgte der Angriff am Abend des 7. August im Ort Banana École, etwa 20 Kilometer vom Zentrum Mambasa in der Provinz Ituri entfernt. Die Angreifer raubten Häuser aus und legten Feuer.
Zuerst übernahm niemand die Verantwortung. Zeugen vor Ort schrieben die Attacke jedoch der ADF zu und nannten das typische Vorgehen der Gruppe als Beleg.
„Die Angabe von 13 Toten ist vorläufig, weil viele Dorfbewohner nicht auf Nachfragen reagieren und die Durchsuchung der Nachbarorte weiterläuft”, sagte Marie-Noëlle Anotane, Leiterin der Organisation New Civil Society of Congo/Mambasa, der Nachrichtenagentur AP.
Der Überfall stellt die Einwohner vor eine schwierige Entscheidung: Entweder bleiben sie trotz der permanenten Bedrohung in der Gegend oder sie versuchen, in anderen Teilen von Ituri Zuflucht zu finden. Ituri ist zugleich die Provinz des Landes, die am stärksten unter der Ebola-Epidemie leidet – offiziellen Zahlen zufolge sind bisher 1.916 Menschen daran gestorben.
Die ADF, ursprünglich eine radikale Gruppierung aus Uganda, kämpft seit Jahrzehnten im Osten der Demokratischen Republik Kongo. 2019 bekannte sie sich zum IS. Ihr werden etliche Massaker, Entführungen und Bombenanschläge zur Last gelegt.
Schon Ende Juli starben bei mutmaßlichen ADF-Überfällen auf mehrere Ortschaften im Raum Mambasa mindestens 27 Zivilisten, elf Menschen wurden vermisst gemeldet. Nur wenige Wochen davor sollen Kämpfer der Miliz in Mbau in Nord-Kivu über 20 Personen getötet haben. Im April bestätigte das kongolesische Militär weitere 43 Tote in Mambasa – trotz gemeinsamer Operationen der kongolesischen und ugandischen Armee gegen die ADF.
Die jüngste Gewalt verschärft eine ohnehin kritische Sicherheitslage im Ostteil des Landes. Die Behörden kämpfen dort nicht nur gegen die ADF, sondern unter anderem auch gegen die M23-Rebellen. Kinshasa beschuldigt Ruanda, die M23 zu unterstützen. Seit Januar 2025 haben die Rebellen ihre Angriffe auf die Regierungstruppen spürbar ausgeweitet. Laut UN und dem Internal Displacement Monitoring Centre wurden dadurch Tausende Menschen getötet oder verletzt. Zusätzlich wurde 2025 mit 9,7 Millionen Vertriebenen im eigenen Land ein Höchstwert registriert.
Ein im Vorjahr in Washington unter US-Vermittlung ausgehandeltes Abkommen zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda, das jegliche Unterstützung der M23 zurückweist, konnte die Gefechte bis heute nicht stoppen. Beide Länder hatten sich verpflichtet, die Kampfhandlungen einzustellen und separate, von Katar moderierte Gespräche zwischen Kinshasa und der M23 zu befördern.
Anfang des Monats kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der M23 und den Wazalendo, einem Zusammenschluss regierungstreuer Milizen, in Shango in Nord-Kivu. Im Juli erklärten mit der M23 verbündete Einheiten, den strategischen Punkt Zero im Bezirk Mwenga in Süd-Kivu eingenommen zu haben. Zuvor hatte die M23 im Januar 2025 Goma und im Folgemonat Bukavu besetzt.
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