Von Rainer Rupp
Washington hat eine hastig organisierte Großoperation durchgeführt, bei der zehntausende US-Soldaten sowie ihre Familien und Haustiere zunächst auf europäische Stützpunkte verlegt wurden. Diese Evakuierung, die weitgehend vor der öffentlichen Wahrnehmung in den USA und weltweit verborgen blieb, zeigt, dass die begrenzten Lufttransportkapazitäten prioritär eingesetzt wurden, um eigenes Personal aus provisorischen Unterkünften in den Golfstaaten zu holen. Wie Korrespondenten der New York Times berichten, waren die lokalen US-Basen nach verheerenden iranischen Angriffen “uninhabitable” – unbewohnbar.
Der größte dokumentierte Einzelfall betraf rund 1.500 Navy-Angehörige samt Familien und Hunderte Haustiere vom Stützpunkt Naval Support Activity (NSA) in Bahrain, früher Hauptquartier der 5. US-Flotte. Seit dem 28. Februar 2026, als die US-Operation “Epic Fury” begann, wurde diese Basis mehrfach von iranischen Vergeltungsschlägen getroffen, wie Satellitenbilder belegen. Die Evakuierung erfolgte über Charter- und Militärmaschinen mit Zwischenstopps in Europa, unter anderem auf der riesigen US-Basis bei Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz. Der Weitertransport in die USA, vorwiegend zur Naval Station Norfolk der US-Marine, wurde für später vorgesehen.
Viele Familien durften nur einen Rucksack mitnehmen und kamen nahezu ohne Besitz an. Sie waren auf Spenden lokaler US-Gemeinden und ziviler Helfer angewiesen. Nach der provisorischen Unterbringung in Europa bemüht sich das Pentagon offenbar intensiv, die betroffenen Soldaten und ihre Angehörigen vor der Presse abzuschirmen.
In diesem Zusammenhang sorgt nun eine Mitteilung der US-Army Garrison Rheinland-Pfalz für Aufsehen. In einem weit verbreiteten Newsletter vom vergangenen Freitag hieß es eindeutig:
“YOU ARE NOT AUTHORIZED TO ENGAGE WITH THE MEDIA.”
Die Anweisung bezog sich ausdrücklich auf Medienanfragen zu “Operation Epic Fury”. Den Evakuierten wurde verboten, Informationen, Zitate oder Meinungen weiterzugeben, selbst in privaten Gesprächen in geschlossenen sozialen Gruppen. Stattdessen sollten Anfragen an die Befehlskette oder die Pressestelle der Garnison gerichtet werden. Laut der US-Militärzeitung Stars and Stripes vom 5. Mai 2026 sind noch immer dutzende aus Bahrain evakuierte Angehörige in der großen Kaiserslautern Military Community notdürftig untergebracht und warten auf weitere Anweisungen.
Nachdem das Medienverbot für Golf-Evakuierte in den USA auf große Kritik stieß, versuchte das Pentagon, die Wogen zu glätten. Die Sprecherin der Garnison Ramstein, Tammy Muckenfuss, erklärte gegenüber Stars and Stripes:
“Wir erlassen keine pauschalen Verbote für unser Personal oder Familienangehörige, mit Medien zu sprechen.”
Die Nachricht sei lediglich eine Erinnerung an bestehende Regeln zum Schutz sensibler Informationen gewesen. Dennoch löste der Ton eine Welle der Kritik aus. Militärrechtsexperten wie Eugene Fidell von der Yale Law School sprechen von einem klaren “eiskalten Effekt” dieses Einschüchterungsversuchs auf die freie Meinungsäußerung.
Auch Rachel VanLandingham, ehemalige Offizierin der US-Air-Force und Präsidentin des National Institute of Military Justice, kritisierte das Pentagon. Sie betonte, dass Soldaten und ihre Angehörigen sehr wohl über persönliche Erlebnisse sprechen dürften, solange keine operativen Geheimnisse preisgegeben würden. Das Schreiben schaffe jedoch Angst vor Repressalien und führe zu Selbstzensur – auch bei nicht geheim eingestuften Themen wie Unterbringung, Versorgung oder psychischer Belastung.
Der Vorfall reiht sich in ein größeres Muster ein: Seit der Eskalation mit Iran versucht das Pentagon, die Öffentlichkeit über das Ausmaß eigener Schäden, Verluste an Menschen und Material zu täuschen. Während die US-Regierung die Angriffe auf Bahrain und andere Basen (Kuwait, Irak, Syrien, UAE, Jordanien) zunächst herunterspielte, zeigen unabhängige Berichte und Satellitenaufnahmen erhebliche Zerstörungen. Die Evakuierung von rund 1.500 Personen allein aus Bahrain – der größte dokumentierte Einzel-Einsatz dieser Art – war chaotisch und erstreckte sich über mehrere Wochen. Weitere Evakuierungen aus anderen Stützpunkten kamen hinzu, die sich, je nach Schätzung, auf zwischen 40.000 und 60.000 uniformierte und zivile Militärangehörige samt Familien belaufen. Das State Department organisierte parallel zehntausende Flüge für US-Bürger aus der Region.
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