Kanada stehe aufgrund des Handelskonflikts mit den USA “im Krieg”, erklärte Premierminister Mark Carney. Nachdem US-Präsident Donald Trump seine Zolloffensive auf Basis einer “Fehleinschätzung” weiter verschärft habe, sei der Konflikt eskaliert. In einer kämpferischen Ansprache an die Nation am Samstag bezeichnete Carney die Forderungen der Trump-Regierung als “schlechten Deal”. Zuvor hatte Ottawa die Handelsgespräche mit Washington über Nacht ausgesetzt.
Das Scheitern der Verhandlungen zieht eine weitere Zollrunde auf kanadische Exporte im Wert von 20 Milliarden US-Dollar nach sich – zusätzlich zu den bereits geltenden Abgaben auf Stahl, Aluminium, Holz und Fahrzeuge. “Man befindet sich im Krieg, wenn man angegriffen wird, und wir wurden angegriffen”, so Carney vor Journalisten in Ottawa.
Trump habe die Widerstandsfähigkeit Kanadas gegenüber wirtschaftlichem Druck klar unterschätzt. Diese “Fehleinschätzung” habe den Handelskrieg weiter angeheizt, betonte Carney: “Wir können nicht akzeptieren, was sie angeboten haben, und wir werden nicht geben, was sie verlangt haben.”
Laut Carney waren die kurzfristigen Änderungsvorschläge aus Washington für Ottawa inakzeptabel. Kanada habe keine neuen Forderungen erhoben, sei jedoch von den Antworten der US-Seite auf die von Trump-Vertretern angesprochenen Punkte “zunehmend enttäuscht” gewesen, je näher die Mitternachtsfrist rückte.
Trump selbst hat sich bislang nicht zum Scheitern der Gespräche geäußert. Noch am Freitag zeigte er sich optimistisch: “Wir sollten in der Lage sein, mit Kanada eine Einigung zu erzielen.” Carney signalisierte hingegen Gesprächsbereitschaft: Ottawa sei bereit, Vergeltungszölle auf Stahl und Aluminium auszusetzen, sofern die USA ihre Abgaben auf kanadische Produkte “deutlich reduzieren”.
Trotz erzielter Fortschritte habe Washington seine Position abrupt geändert, kritisierte Carney. “Sie haben zu viel verlangt und zu wenig angeboten.” Kanada habe weitreichende Zugeständnisse gemacht – etwa bei Fentanyl und bei den von Trump kritisierten Anti-Zoll-Kampagnen.
Erst in letzter Minute habe die US-Regierung neue Bedingungen zur Autoindustrie und zu Kanadas Handelsbeziehungen mit Drittländern auf den Tisch gelegt, so Carney. Die Verhandlungen platzten schließlich am Wochenende – der Handelskrieg zwischen den USA und Kanada verschärft sich damit weiter.
Kanada hatte zuvor eine Entlastung bei den 50-Prozent-Zöllen auf Stahl und Aluminium sowie bei den 25-Prozent-Zöllen auf Fahrzeuge gefordert. Hinzu kommen Holzabgaben, die bereits Werksschließungen und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit verursacht haben.
Nach dem Scheitern der Gespräche werde Kanada die neuen US-Zölle “Dollar für Dollar” mit eigenen Abgaben kontern, kündigte Carney an. Die Zölle zielten darauf ab, Kanada zu schwächen und das Land zu spalten, so seine Kritik.
Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer zeigte sich zurückhaltend: Es sei “schwer zu sagen”, ob die Verhandlungen wieder aufgenommen würden. Derzeit seien keine neuen Gesprächstermine geplant. Washington werde stattdessen auf die kanadischen Vergeltungsmaßnahmen reagieren.
Kanada zog sich aus den Gesprächen zurück, während Trump innenpolitisch unter Druck steht – nicht zuletzt wegen der angespannten Lage der US-Wirtschaft. In wenigen Monaten stehen Zwischenwahlen an, und in der Bevölkerung wächst die Sorge über die Kosten des Iran-Krieges, die Rekordverschuldung, steigende Kraftstoffpreise und hohe Hypothekenzinsen.
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