Moskau weist die kritischen Bemerkungen der japanischen Regierung zum Besuch des russischen Präsidenten auf den Kurilen-Inseln entschieden zurück. Dies geht aus einer Stellungnahme hervor, die die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Donnerstagabend veröffentlichte.
“Die Kommentare der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi und des Außenministers Toshimitsu Motegi bezüglich der Reise von Präsident Wladimir Putin auf die Insel Iturup rufen tiefste Empörung hervor und sind in keiner Weise hinnehmbar. Iturup ist, wie alle Kurilen-Inseln, ein rechtmäßiger und untrennbarer Bestandteil unseres Landes”, heißt es in der Erklärung.
Das Ministerium fügt hinzu:
“Wir lehnen diese Äußerungen entschieden ab – sie sind politisch bedeutungslos, respektlos und selbstverständlich rechtlich ohne jede Grundlage. Die jüngsten Ausfälle der japanischen Führung gegen Russland belegen erneut die unüberlegte Haltung der offiziellen Regierung in Tokio, die sich zunehmend für einen beinahe feindseligen Kurs gegenüber unserem Land entschieden hat.”
Putin besuchte die Insel Iturup am Donnerstagnachmittag erstmals. In Kurilsk besichtigte er die Fischverarbeitungsanlage “Jasny”, das örtliche Krankenhaus sowie eine Schule, die nach dem russischen Helden E. D. Norpolow benannt ist. Darüber hinaus führte er Gespräche mit Anwohnern der Insel. Am Ende seines Aufenthalts traf er mit dem Gouverneur der Region Sachalin, Waleri Limarenko, zusammen, um über das Bevölkerungswachstum und die Löhne in der Region zu sprechen.
Im Anschluss daran lud das japanische Außenministerium den russischen Botschafter Nikolai Nosdrew vor, um formell gegen den Besuch zu protestieren. Die japanische Regierungschefin bezeichnete die Reise als “unannehmbar” und erklärte, Iturup sei “von jeher japanisches Territorium”.
Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit Jahrzehnten durch das Fehlen eines Friedensvertrags belastet. Russland vertritt die Auffassung, dass die vier Süd-Kurilen-Inseln nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Sowjetunion wurden. Japan hingegen betrachtet sie als seine “nördlichen Territorien”. Zwar verzichtete Japan 1951 im Friedensvertrag von San Francisco auf alle Ansprüche an den Kurilen, führte jedoch später den Begriff der “klassischen Kurilen” ein, zu denen die vier südlichen Inseln “niemals gehört hätten”.
Für die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs war dagegen stets eindeutig, dass der gesamte Kurilen-Archipel – einschließlich der vier südlichsten Inseln – der Sowjetunion zustehen sollte. Die Sowjetunion hat den Vertrag von San Francisco zwar nicht unterzeichnet; aus russischer Sicht bleibt der japanische Verzicht jedoch wirksam, da er universellen Charakter hatte.
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