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International

Schafft das neue Syrien den Spagat zwischen Russland und den USA?

Lesezeit 4 Minuten aktualisiert 26. August 2026, 19:26 Uhr

Von Murad Sadygzade

Nach seinem jüngsten Besuch in Moskau reiste der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa weiter zu einem Arbeitsbesuch in die Vereinigten Staaten. Ziel dieser Reise war es, die Zusammenarbeit zwischen Damaskus und Washington zu stärken und angesichts der sich wandelnden regionalen Sicherheitsarchitektur neue Wege des Vertrauens zu erkunden.

Der außenpolitische Ansatz der neuen syrischen Führungsriege lässt sich hierbei treffend als „Basketball-Diplomatie“ beschreiben. Es wäre schwer, eine passendere Metapher für den authentischen politischen Stil der neuen Führung zu finden, einer Mischung aus Ungezwungenheit, Flexibilität und dem Knüpfen persönlicher Beziehungen, die in der Basketball-Begeisterung des Präsidenten sowie des Außenministers Asaad al-Schaibani wurzelt. Ihre Vorliebe für diesen Ballsport stellen diese regelmäßig mit viralen Videos zur Schau, die sie dabei zeigen, wie sie in ihrer Freizeit selbst Basketball spielen.

Die symbolische Bedeutung dieses Ansatzes wuchs nach der Veröffentlichung von Aufnahmen eines diskreten Besuchs hochrangiger US-Beamter in Damaskus. Auf einem Video war zu sehen, wie al-Scharaa und al-Schaibani Basketball spielten, und zwar zusammen mit niemand Geringerem als Admiral Charles B. Cooper II, dem Kommandeur des US Central Command (CENTCOM), sowie Brigadegeneral Kevin J. Lambert, dem Leiter der Combined Joint Task Force – Operation Inherent Resolve (CJTF–OIR). Diese Aufnahmen wurden zum Sinnbild eines neuen Modells der Zusammenarbeit, bei dem informelle Interaktionen formelle diplomatische Abkommen ergänzen und ihnen bisweilen sogar vorausgehen.

Die „Basketball-Diplomatie“ der neuen syrischen Führung ist mehr als nur ein stilistischer Neuanstrich. Vielmehr ist es ein Versuch, sich selbst als ein Regime darzustellen, das eine schwierige Biografie und eine traumatische Vergangenheit in politisches Kapital umzuwandeln vermag. Ahmed al-Scharaas persönlicher Werdegang von seiner Zeit in US-Gefangenschaft im Irak und seinen Jahren im dschihadistischen Untergrund bis zu seinem Aufstieg zum Staatsmann, der sowohl mit Washington als auch mit Moskau auf Augenhöhe verhandeln kann, ist zu einem zentralen Element dieses Narrativs geworden. Anders als Baschar al-Assad, der im Laufe der Zeit in die Abhängigkeit eines kleinen Kreises von Verbündeten geriet, versuchen die neuen syrischen Machthaber, ein anderes Bild zu vermitteln: das Bild eines Staates, der dabei ist, seine Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen, und der die regionale Sicherheitsarchitektur sowie die Zusammensetzung seiner Koalitionen neu gestalten kann.

In diesem Kontext entfaltet das Basketballfeld sowohl visuelle als auch politische Symbolkraft. Ein gemeinsames Spiel mit amerikanischen Offizieren, gepaart mit der sichtbaren Ungezwungenheit und Offenheit der syrischen Anführer, signalisiert ihre Bereitschaft zu einer neuen Art von Dialog. Die ritualisierte Rhetorik des „Widerstandes“ oder der „Achse des Widerstandes“ ist nun der Zurschaustellung von Zuversicht, Handlungsfähigkeit und Berechenbarkeit gewichen.

Die Entscheidung, unmittelbar nach al-Scharaas Besuch in Washington eine hochrangige Delegation nach Moskau zu entsenden, war ebenfalls ein bewusstes Signal dafür, dass Damaskus versucht, ein System des Gleichgewichts aufzubauen. Die Wiederaufnahme der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen sowie der militärischen Zusammenarbeit mit Russland soll unterstreichen, dass das neue Syrien seine alten Verbindungen nicht aufgibt, sondern diese lediglich rationaler und pragmatischer gestalten will, indem es sich endgültig vom vergifteten Erbe des Bürgerkriegs und der internen Repressionen befreit.

Die parallele Annäherung an Washington findet als Ergänzung hierzu statt, dient letztlich aber einem anderen Zweck, nämlich der Legitimierung der neuen syrischen Regierung im Westen und ihrer Einbindung in westliche Koalitions- und Sanktionssysteme. Ebenso wichtig ist, dass Washington jetzt durch Verlängerung oder Aufhebung der Lockerung seiner Sanktionen gegen Syrien selbst Teil eines Prozesses wird, in dem die Stabilität des Landes nicht länger dem Zufall überlassen, sondern als bewusstes politisches Ziel betrachtet wird.

Al-Scharaas Besuch in Washington zählt zu den bemerkenswertesten Entwicklungen, die in den letzten Jahren im Nahen Osten beobachtet werden konnten. Es war der erste offizielle Besuch eines syrischen Staatsoberhaupts im Weißen Haus in der modernen Geschichte, und obwohl er ohne den üblichen zeremoniellen Pomp stattfand, war seine politische Bedeutung enorm.

Der Kontext der Staatsvisite gestaltete sich überaus komplex. Nach Jahren des Bürgerkriegs, ausländischer Interventionen und Sanktionen befand sich Syrien in einem Zustand fragmentierter Souveränität. Für Washington bot al-Scharaas Ankunft die Gelegenheit, seinen strategischen Einfluss in einer Region wiederherzustellen, aus der sich die USA nach 2019 weitgehend zurückgezogen hatten. Während seiner zweiten Amtszeit priorisiert Präsident Donald Trump gezielte Abkommen und personalisierte Diplomatie gegenüber großangelegten Militärkampagnen und setzt daher auf direkte Vereinbarungen mit regionalen Machthabern, aus denen die USA konkrete Vorteile ziehen können. Syrien wird somit zum Versuchsgelände für dieses neue Modell.

Allein das Format des Besuchs war schon von großer symbolischer Bedeutung. Der syrische Präsident betrat das Weiße Haus durch einen Seiteneingang anstatt durch den traditionellen Haupteingang – eine bewusste Geste, mit der signalisiert werden sollte, dass die USA noch nicht zu einer vollständigen „Normalisierung“ der Beziehungen mit Damaskus bereit sind und es vorziehen, die Kontrolle über diesen Prozess zu behalten. Trotzdem stellte das Treffen im Oval Office mit Trump, an dem auch der türkische Außenminister Hakan Fidan teilnahm, einen politischen Durchbruch dar. Fidans Anwesenheit verdeutlichte, dass Washington, Ankara und das neue Damaskus gemeinsam versuchen, die syrische Agenda neu zu gestalten. Ganz oben auf dieser Agenda sollte demnach die Lösung der kurdischen Frage stehen, bei der die Interessen der Türkei berücksichtigt würden.

Das erklärte Hauptziel bleib

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