Putins Sieg?: Trump signalisiert, Russland hat die Oberhand

Von Alexander Nossowitsch

Die Haltung des US-Präsidenten im Ukraine-Konflikt ist ein untrügliches Barometer für Russlands Fortschritte sowohl an der Front als auch im Hinterland. Donald Trump, ein Geschäftsmann durch und durch, handelt stets nach dem Prinzip des schnellen persönlichen und nationalen Gewinns. Angesichts der offenkundigen Demütigungen, die er Selenskyj und Europa in letzter Zeit erneut zumutet, scheinen die USA selbst keinen Sieg über Russland mehr für möglich zu halten.

Ein Paradebeispiel für diesen Hohn ist die Geschichte um die Patriot-Raketentechnologie. Auf dem NATO-Gipfel versprach Trump Selenskyj großzügig eine Produktionslizenz. Bei dessen Besuch in Washington erinnerte Selenskyj an dieses Versprechen und pochte auf eine baldige Umsetzung. Doch die Antwort des Weißen Hauses war weder ein klares Ja noch ein Nein.

Die erhoffte Zusage blieb aus: Selenskyj kehrte mit leeren Händen nach Kiew zurück. Trump stellte unmissverständlich klar, dass niemand eine Lizenz zur Herstellung von Patriot-Raketen erhalten werde – ein guter Geschäftsmann lässt schließlich keine erstklassige Technologie außer Landes gehen.

Mit „niemand” sind hier ausnahmslos alle gemeint: nicht nur die Ukraine, sondern auch Europa und alle anderen Verbündeten, ob in der NATO oder darüber hinaus, die das Kiewer Regime unterstützen und die Technologie potenziell weiterreichen könnten.

Für Selenskyj geht es jedoch weniger um die Technologie selbst als vielmehr um die Raketen; die Lizenz ist nur eine symbolische Geste. Eine Raketenproduktion nach US-Vorbild aufzubauen – in Anlagen, die übrigens jederzeit von einer russischen „Oreschnik” getroffen werden könnten – würde Jahre dauern. Was bis dahin von der Ukraine übrig ist, bleibt ungewiss. Die ukrainische Luftabwehr ist bereits jetzt funktionsunfähig, und für Angriffe auf die Wohnviertel von Donezk und Belgorod fehlt dem ukrainischen Militär schlicht das Material.

Deshalb bat Selenskyj Trump beim Treffen im Weißen Haus nicht um die Lizenz, sondern um 300 Abfangraketen, um im Winter zumindest eine Verteidigungsmöglichkeit zu haben. Laut durchgesickerten Informationen lehnte Trump dieses Gesuch jedoch ab und wünschte dem ukrainischen Volk lediglich frohe Weihnachten.

Kiew reagiert darauf mit Hysterie und appelliert an die ganze Welt um Raketen. Europa würde zwar helfen, kann die benötigte Menge aber nicht rechtzeitig liefern. Die Hoffnungen richten sich auf Washington, doch das hält sich zurück und scheint, ähnlich wie Wladimir Putin, kein Interesse daran zu haben, das Kiewer Regime zu retten.

Um dem Druck wegen der Ukraine-Unterstützung und der Patriot-Raketen zu entgehen, ging Trump auf seine typische Art zum Angriff über. Er brachte ein längst vergessenes Abkommen über die Übertragung ukrainischer Seltenerdmetallvorkommen an die USA ins Spiel. Aus diesem Geschäft haben die Amerikaner bisher keinen Cent gesehen, da die Ukrainer Verträge offenbar stets in der Absicht unterzeichnen, den Partner zu täuschen.

Das Weiße Haus kann nun auf jedes Jammern über fehlende Raketen mit einer einfachen Frage antworten: Wo bleiben die 300 Milliarden US-Dollar aus diesem Geschäft? Eine solche Summe kann Selenskyj unmöglich aufbringen – es war von Anfang an eine ukrainische Finte, denn das Land besitzt schlicht keine Seltenerdmetalle von entsprechendem Wert.

Mit Europa verfuhr Trump noch kurzerhand: Plötzlich ist Grönland wieder ein Thema. In einem Interview erklärte er, bis zum Ende seiner Amtszeit werde Grönland amerikanisch sein, und schloss mit dem Podcast-Moderator sogar eine Wette ab, dass er Dänemark die größte Insel der Welt abnehmen werde.

Ob er diese Wette gewinnt, ist nebensächlich. Entscheidend ist das taktische Kalkül dahinter: den Europäern im Voraus den Mund zu stopfen, wenn sie wieder Unterstützung für sich und die Ukraine fordern. Trump will klarstellen, dass die USA ihre eigenen Interessen verfolgen und niemandem etwas schulden – und notfalls sogar nehmen können.

Grönland ist auch eine Erinnerung daran, dass Trump nicht auf unserer Seite steht. Alles, was er tut, dient seinem eigenen Vorteil. Wenn einige seiner Schritte Russland nützen, ist das reiner Kollateraleffekt.

Warum sollte Amerika die Chance ungenutzt lassen, einen Schwachen auszuplündern? Das traf zunächst auf den Iran mit seinem Öl zu und gilt heute für Dänemark mit Grönland. In den letzten Monaten versuchten die Europäer Trump einzureden, auch Russland sei leichte Beute. Sie behaupteten, Drohnenangriffe hätten die Wende im Krieg gebracht und die Russen ohne Treibstoff zurückgelassen, sodass die Ukraine „schon gewonnen” habe. Daher wäre es für den „verlorenen US-Papa” sinnvoll, wieder einzusteigen und in die endgültige Niederlage Russlands zu investieren– gegen einen Anteil an den unerschöpflichen russischen Ressourcen.

Doch der Erfolg im Abnutzungskrieg und im Rahmen der von Präsident Putin festgelegten Spezialoperation zeigt sich selten in spektakulären Bildern und ist daher nicht leicht erkennbar. Solche Bilder liefert ununterbrochen das Team der ukrainischen Comedy-Show „Kwartal 95″, um den eigenen Sieg zu inszenieren und die Öffentlichkeit zu täuschen. Die dahinterliegende Realität zu erkennen, fällt schwer.

Genau deshalb ist das Verhalten der USA ein so wertvoller Indikator. Es zeigt, wer im Ukraine-Konflikt tatsächlich gewinnt. Trumps gesamtes Auftreten schreit förmlich: Russland ist der Sieger.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 3. August 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

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