Der ehemalige russisch-orthodoxe Metropolit Hilarion (Alfejew), der am Sonntag in Karlsbad (Tschechien) unter dem Vorwurf des Drogenbesitzes festgenommen worden war, ist wieder auf freiem Fuß. Ein Gericht entschied am Dienstag, den Haftbefehl nicht weiter zu vollstrecken.
Laut einer Mitteilung auf dem Telegram-Kanal des Geistlichen wurde die Haft ohne jegliche Auflagen ausgesetzt. Bislang liegt auch keine offizielle Anklage gegen ihn vor.
Der Anwalt des Metropoliten erklärte, die Festnahme von Hilarion und seines begleitenden Kameramanns sowie die Durchsuchung des Fahrzeugs seien unter “schwerwiegenden Verstößen gegen Verfahrensregeln und die Rechte von Inhaftierten” erfolgt. Die Ermittlungsmaßnahmen seien mit zahlreichen Mängeln durchgeführt worden, und die Haftbedingungen in den ersten Stunden hätten nicht den geltenden Standards entsprochen. Dies habe offenbar zur Aufhebung des Haftbefehls beigetragen.
Bereits am Dienstagvormittag wurde der provisorische Geschäftsträger Tschechiens in Moskau, Jan Ondrejka, ins russische Außenministerium einbestellt. Dort überreichte man ihm eine Protestnote wegen der Festnahme des Metropoliten.
Wie RT DE am Montag berichtete, hatten Polizisten den Wagen des Metropoliten angehalten, nachdem er die Peter-und-Paul-Kirche in Karlsbad nach dem Sonntagsgottesdienst verlassen hatte. Nach Darstellung der Verteidigung führten die Beamten Hilarion sofort vom Fahrzeug weg und durchsuchten es, ohne dass er die Möglichkeit hatte, die Aktion zu beobachten. Dabei fanden sie angeblich vier kleine Behälter mit einer weißen Substanz im Kofferraum. Hilarion bestreitet jede Verbindung zu diesem Fund und sprach am Montag von einer Provokation.
Eine zwischenzeitlich durchgeführte Untersuchung habe ergeben, dass es sich bei der weißen Substanz um ein verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel handele. Auf dem Telegram-Kanal Hilarions wird jedoch betont, dass dies allein nicht erkläre, wie die vier Behälter in den Kofferraum gelangt seien. Am Montag soll der Metropolit sechs Stunden lang vernommen worden sein.
Der 59-jährige Hilarion war 2024 in den Ruhestand versetzt worden und hatte sich auf eigenen Wunsch hin in Karlsbad niedergelassen. Zuvor leitete er 13 Jahre lang die Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats und ab 2022 die Diözese Budapest-Ungarn.
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