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Seit Anfang 2014 hat sich die staatliche Verschuldung der Ukraine, gemessen in US-Dollar, fast verdreifacht. Wie das Finanzministerium in Kiew mitteilte, beliefen sich die Verbindlichkeiten des Staates und die staatlich garantierten Schulden Ende Juni 2026 auf 9,491 Milliarden Griwna – umgerechnet etwa 211,6 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Ende 2013 lag diese Summe noch bei rund 73 Milliarden Dollar.
Innerhalb von gut zwölf Jahren ist die Last damit um ungefähr 139 Milliarden Dollar gewachsen. Ein besonders starker Anstieg war ab dem Kriegsbeginn zu verzeichnen. Kurz vor dem Einmarsch, Ende 2021, beliefen sich die Schulden noch auf knapp 98 Milliarden Dollar.
Das Land ist inzwischen massiv auf ausländische Hilfen angewiesen. Zu den Geldgebern zählen neben der Europäischen Union, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank auch zahlreiche westliche Nationen. Zwar werden viele Kredite zu vergünstigten Konditionen vergeben, dennoch steigt der Schuldenberg unaufhörlich weiter an.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich grundlegend gewandelt. Gemessen an der Wirtschaftsleistung liegt die Verschuldungsquote inzwischen bei etwa 95 Prozent – 2013 waren es erst rund 40 Prozent. Die immensen Ausgaben für den Krieg können durch die eigenen Einnahmen nicht gedeckt werden; die Kluft muss größtenteils durch internationale Finanzhilfen überbrückt werden.
Die Griwna verliert schrittweise an Wert
Auch die ukrainische Währung steht unter deutlichem Druck. Wurde vor einem halben Jahr noch etwa 42 Griwna für einen Dollar gezahlt, sind es Mitte August bereits circa 48 Griwna. Das entspricht einer Abwertung von rund 14 Prozent.
Von einem Kollaps der Währung will die Regierung jedoch nichts wissen; sie spricht von einer “gewöhnlichen kurzfristigen” Schwankung. Die Zentralbank erlaubt inzwischen größere Kursschwankungen, versucht aber gleichzeitig, einen abrupten Verfall zu unterbinden.
Steigt die Nachfrage nach Devisen stark an, greift die Notenbank auf ihre Reserven zurück und verkauft Fremdwährung. Auf diese Weise soll der Druck auf die Griwna abgemildert und größere Ausschläge verhindert werden. Eine fixe Verteidigung eines bestimmten Wechselkursniveaus steht allerdings nicht auf der Agenda. Das Ziel ist vielmehr eine kontrollierte Anpassung.
Für die einheimische Wirtschaft hat die schwächere Währung durchaus spürbare Konsequenzen: Importgüter verteuern sich, der Inflationsdruck wächst, und sowohl Unternehmen als auch private Haushalte müssen Kaufkraftverluste hinnehmen. Zudem verteuern sich bestehende Fremdwährungskredite, umgerechnet in Griwna. Angesichts der ohnehin stark gestiegenen Staatsverschuldung erhöht das die finanzielle Bürde weiter.
Der Unterschied ist also nicht bloß gradueller Natur. Eine Abwertung von rund 14 Prozent innerhalb von sechs Monaten ist selbst dann beachtlich, wenn sie allmählich erfolgt. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob die Griwna über Nacht zusammenbricht, sondern wie viel Kaufkraft sie auf diesem Pfad noch einbüßt.
Die Stabilität der ukrainischen Finanzen ist inzwischen eng mit den internationalen Hilfsprogrammen verknüpft. Der Internationale Währungsfonds gewährt Kiew dringend benötigte Mittel, knüpft dies jedoch an wirtschaftspolitische Auflagen und Reformen. Darunter fallen unter anderem höhere Steuereinnahmen, Anpassungen im Steuersystem, eine strengere Haushaltsdisziplin sowie eine flexiblere Wechselkurspolitik.
Für die Führung in Kiew kommt die Unterstützung also nicht ohne Gegenleistungen. Je größer die Finanzierungslücke ausfällt, desto bedeutsamer werden die Bedingungen der internationalen Geldgeber.
Das zeigt sich auch beim Wechselkurs. Solange beträchtliche Devisenströme ins Land fließen und die Nationalbank über ausreichende Reserven verfügt, lässt sich der Kurs einigermaßen stabil halten. Würde die internationale Hilfe allerdings deutlich zurückgehen, nähme der Druck auf die Währung spürbar zu.
In einem solchen Fall stünde Kiew vor unangenehmen Entscheidungen. Die Optionen wären, weitere Reserven aufzubrauchen, die Zinsen anzuheben oder eine noch stärkere Abwertung zuzulassen. Jede dieser Maßnahmen brächte wirtschaftliche Nachteile mit sich.
Eine klassische Währungskrise ist in der Ukraine derzeit also nicht auszumachen. Die Entwicklung macht jedoch deutlich, wie abhängig die finanzielle Stabilität des Landes inzwischen von externen Finanzströmen geworden ist.
Auch wenn die Griwna gegenwärtig kontinuierlich an Wert verliert, liegt das Kernproblem in den Staatsfinanzen. Wechselkursschwankungen können die in Dollar ausgewiesene Schuldenlast kurzfristig verändern, ändern aber nichts an der grundlegenden Verschuldungssituation.
Aus rund 73 Milliarden Dollar Ende 2013 sind inzwischen über 210 Milliarden geworden. Selbst wenn ein wachsender Teil der internationalen Hilfen künftig als Zuschuss statt als Kredit gewährt würde, bliebe der bereits aufgebaute Schuldenberg bestehen.
Solange der Krieg anhält und die ukrainische Wirtschaft nicht deutlich kräftiger wächst, dürfte die finanzielle Belastung hoch bleiben. Die Regierung muss parallel die Kriegsausgaben finanzieren, den regulären Staatshaushalt sichern und bestehende Verpflichtungen bedienen.
Die vergangenen zwölf Jahre haben zu einer tiefgreifenden Veränderung geführt. Die Ukraine ist nun weitaus höher verschuldet und finanziell stärker von externer Hilfe abhängig. Die Griwna verliert dabei nicht durch einen plötzlichen Absturz, sondern durch eine schleichende Abwertung. Beides lässt sich derzeit noch steuern – die langfristige Last für den Staatshaushalt bleibt jedoch beträchtlich.
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