Schock-Vorwürfe gegen Israels Armee: Australien leitet Ermittlungen zu Vergewaltigungen bei Gaza-Flottille ein

Die australische Bundespolizei (AFP) hat ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet, nachdem schwerwiegende Anschuldigungen laut wurden. Demnach sollen israelische Streitkräfte australische Staatsbürger, die Teil der globalen Hilfsflottille “Sumud” waren, während eines Zwischenfalls auf hoher See misshandelt, gefoltert und sexuell missbraucht haben.

Die Vorfälle ereigneten sich bereits im Mai, als die israelische Marine mehrere Schiffe der Hilfsflottille in internationalen Gewässern vor der Küste Zyperns stoppte und die gesamte Besatzung festnahm. Vier der betroffenen australischen Frauen trafen sich am Montag in der Hauptstadt Canberra mit der australischen Außenministerin Penny Wong, der Ministerin für Multikulturalismus, Anne Aly, sowie hochrangigen Vertretern der Strafverfolgungsbehörden.

Eine der Aktivistinnen, Juliet Lamont, äußerte sich nach dem Treffen optimistisch. Sie berichtete, dass die Behörden ihre detaillierten Schilderungen über angebliche Entführung, Folter, Inhaftierung und Vergewaltigung äußerst ernst genommen hätten. Die AFP bestätigte ihr Engagement und erklärte, den Fall mit einem “opferzentrierten und traumainformierten Ansatz” zu bearbeiten, um den betroffenen Frauen bestmögliche Unterstützung zu bieten.

Die Vorwürfe betreffen insgesamt elf australische Staatsbürger. Sie waren Teil der Gruppe von mehr als 400 Aktivisten aus rund 40 Ländern, die während der Aktion festgesetzt wurden. Ziel der Flottille war es, humanitäre Hilfsgüter nach Gaza zu transportieren und die seit Jahren bestehende Blockade zu durchbrechen. Die Aktivisten berichten übereinstimmend von körperlichen und psychischen Misshandlungen, Erniedrigungen und weiteren entwürdigenden Behandlungen während ihrer Haft.

Die israelische Seite weist alle Vorwürfe entschieden zurück. Die israelische Botschaft in Canberra veröffentlichte eine Erklärung, in der sie betont, es gebe “keine glaubwürdigen Beweise”. Gleichzeitig bezeichnen israelische Vertreter die Aktivisten als “professionelle Provokateure”, deren Behauptungen bereits widerlegt seien. Tel Aviv bekräftigt seine Position, dass solche Flottillen-Missionen politisch motiviert seien und letztlich der Unterstützung der Hamas dienten.

Zusätzliche internationale Empörung löste ein Video des israelischen Nationalen Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir aus. Darin sind festgenommene Aktivisten zu sehen, die mit gefesselten Händen am Boden knien, während der Minister sie öffentlich verspottet. Die australische Regierung verurteilte dieses Verhalten umgehend und verhängte daraufhin persönliche Sanktionen gegen Ben-Gvir. Die Welle der Empörung hat sich mittlerweile ausgeweitet: Sowohl in Frankreich als auch in Italien wurden offizielle Ermittlungen zu ähnlichen Vorwürfen eingeleitet. Kanada hat zudem unabhängige Untersuchungen gefordert.

Die Organisation Global Sumud Flottille hat parallel dazu eine formelle Eingabe beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eingereicht. Darin werden israelischen Kräften Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie gezielte Folter vorgeworfen.

Die aktuellen australischen Ermittlungen sind ein weiterer Ausdruck der zunehmenden internationalen Besorgnis über die Behandlung humanitärer Aktivisten und die komplexen Vorgänge rund um die Gaza-Blockade. Der Fall könnte weitreichende diplomatische und rechtliche Folgen haben.

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