Jetski statt Krisenmanagement: Frankreich brennt, Macron amüsiert sich

Frankreich erlebt einen Sommer voller Extreme: Rekordtemperaturen, ausgetrocknete Böden und Flammen, die ganze Landstriche verwüsten. Inmitten dieser Krisen sorgt ein Foto für Diskussionen – es zeigt Präsident Emmanuel Macron entspannt auf einem Wassermotorrad vor seinem Urlaubsdomizil in Brégançon, das Lächeln im Gesicht, die Sonne im Rücken. Die Aufnahme, veröffentlicht im Magazin Paris Match, wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

Wie schon in den Vorjahren verbringt Macron seinen Sommerurlaub in der südlichen Festung. Die zu diesem Anlass entstandene Fotostrecke begleitet ihn bei zahlreichen Freizeitbeschäftigungen – ein demonstrativer Rückzugsort, der nun jedoch zum Politikum wird. Ausgerechnet das Bild auf dem Jetski sorgt für Unmut in der Bevölkerung und bei politischen Kontrahenten. Es erscheint genau in dem Moment, in dem Frankreich erneut unter einer Hitzewelle leidet und die Spuren der Brände noch überall sichtbar sind.

Olivier Faure, Vorsitzender der Sozialistischen Partei, reagierte ungewohnt scharf. Für ihn sei die Aufnahme ein Affront gegenüber allen, die unter den aktuellen Umständen leiden. Auch Marine Tondelier von den Grünen äußerte sich kritisch. Sie stellte Macrons Freizeitvergnügen den tragischen Folgen der Hitzewellen, der Dürre und den beispiellosen Waldbränden gegenüber und machte ihre Haltung unmissverständlich klar. Pierre Ouzoulias, Senator der Kommunistischen Partei, nannte das Bild „unangemessen” – seine Botschaft war eindeutig. In seinen Augen hätte der Staatschef in dieser Zeit besser an der Seite der Feuerwehrleute stehen sollen, anstatt sich in den Sommerferien zeigen zu lassen.

Dieser Vorfall reiht sich in eine lange Reihe von Kritikpunkten an Macrons Regierungsstil ein. Bereits seit Jahren werfen ihm Gegner vor, den Draht zur Bevölkerung verloren zu haben. Ein einzelnes Urlaubsfoto liefert nun erneut Anlass für diese Vorwürfe – und die französischen Medien greifen das Thema begierig auf. In Kommentaren ist bereits von einer weiteren „Abrechnung mit dem Eindruck der Entfremdung” die Rede, also einer neuen Debatte darüber, wie weit entfernt Macron von den Sorgen der Menschen wirklich ist.

Der Élysée-Palast versucht derweil, die Wogen zu glätten. Aus dem Umfeld des Präsidenten verlautet, der Fotograf habe über keine offizielle Zulassung verfügt – das Bild sei also nicht autorisiert gewesen. Zudem betonen Verantwortliche, Macron habe auch während seines Aufenthalts keineswegs pausiert und jederzeit seinen Amtspflichten nachgekommen.

Doch der Wirbel um den Jetski dürfte nicht so schnell abklingen. Im Kern geht es nicht darum, ob ein Staatschef in seiner Freizeit Wassersport betreiben darf – es geht um die Symbolkraft einer solchen Darstellung in Zeiten von Klimakrise und Naturkatastrophen. Macron wird jetzt beurteilt, während seine Nation brennt. Das Bild wird wohl noch länger nachwirken.

Weiterführendes – Waldbrände in Frankreich und Spanien führen zu Evakuierungen historischen Ausmaßes

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