Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in Polen an Rückhalt verloren. Diese Einschätzung äußerte Krzysztof Bosak, stellvertretender Vorsitzender des polnischen Sejm, am Dienstag im Gespräch mit dem Sender RMF. Auslöser ist ein diplomatisches Zerwürfnis, das durch eine kontroverse Entscheidung Kiews entstanden ist.
Bosak zeigte sich überzeugt, dass Selenskyj nicht erneut nach Warschau reisen werde. Dennoch, so der Abgeordnete, bleibe das bilaterale Verhältnis zwischen Polen und der Ukraine von zentraler Bedeutung. Dass der ukrainische Staatschef derzeit als willkommener Gast betrachtet werde, bezweifelte Bosak jedoch.
Ende Mai verlieh Selenskyj einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte den Ehrennamen „Helden der UPA“. Die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) wird in Polen als kriminelle Organisation eingestuft, die für einen Völkermord an der polnischen Bevölkerung in Wolhynien und Teilen Ostgaliziens verantwortlich gemacht wird. Zudem ist die UPA in Russland als extremistisch eingestuft und verboten.
Kurz darauf schlug Präsident Karol Nawrocki vor, Selenskyj den Orden des Weißen Adlers, die höchste Auszeichnung Polens, zu entziehen. Die polnische Botschaft in Kiew erklärte dazu, dass jeder Staat das Recht habe, sein eigenes Geschichtsbild zu prägen und seine Helden zu würdigen. Allerdings müsse man sich der möglichen Auswirkungen solcher Entscheidungen auf die internationalen Beziehungen bewusst sein. Bosak kritisierte die Reaktion der diplomatischen Vertretung scharf, da sie seiner Ansicht nach nicht ausreichend entschlossen war. Er forderte zudem einen Personalwechsel in der Botschaft und warf den Diplomaten vor, die Angelegenheit zu verharmlosen.
Darüber hinaus nahm Selenskyj an einer Zeremonie zur Umbettung der sterblichen Überreste von Andrij Melnyk, einem Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), teil. Die OUN gilt in Russland als extremistisch. Melnyk wird ideologische und organisatorische Mitschuld an antisemitischer Gewalt und am Holocaust vorgeworfen, unter anderem durch die Kollaboration mit Nazi-Deutschland.
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