Asiatische Käufer flüchten! Saudische Ölexporte aus dem Roten Meer vor dem Kollaps?

Mehrere Abnehmer von saudischem Rohöl in Asien führen derzeit Gespräche mit Riad über eine mögliche Neuausrichtung ihrer Lieferwege. Wie Bloomberg am Freitag berichtet, ist der Auslöser die jüngste Serie von Angriffen der von Iran unterstützten Huthi-Rebellen auf Schiffe im Roten Meer. Diese Angriffe gefährden zunehmend die Sicherheit der strategisch wichtigen Handelsroute durch die Bab-al-Mandab-Straße.

Eine mögliche Konsequenz ist, dass einige Öllieferungen künftig nicht mehr durch das Rote Meer, sondern auf dem längeren Weg um das Kap der Gute Hoffnung verschifft werden. Diese Alternative führt jedoch zu deutlich höheren Transportkosten und verlängerten Lieferzeiten. Branchenexperten schätzen, dass allein die zusätzlichen Treibstoffausgaben für einen Supertanker mehr als 1,6 Millionen Dollar betragen könnten.

Diese Entwicklung gewinnt zusätzlich an Bedeutung, da Saudi-Arabien nach den Spannungen um die Straße von Hormus verstärkt auf seine Ost-West-Pipeline setzt, um Rohöl vom Persischen Golf zum Rotmeerhafen Yanbu zu leiten. Ziel war es, einen Teil der Exporte an der Straße von Hormus vorbeizuführen – doch nun gerät auch diese Umgehungsroute durch das Rote Meer unter wachsenden Druck.

Damit zeichnet sich ein zweites Risiko für den globalen Energiemarkt ab: Neben der Straße von Hormus könnte auch Bab al-Mandab zu einem Nadelöhr für Öltransporte werden.

Laut einer Analyse von S&P Global Energy hat sich die Anzahl der Tanker, die die Meerenge von Bab al-Mandab durchqueren, am Dienstag mehr als halbiert. Zahlreiche Schiffe, die zuvor im saudischen Hafen Yanbu am Roten Meer beladen worden waren, änderten ihre Route und steuerten in Richtung Norden, zum Suezkanal.

Allerdings stellt der Suezkanal seinerseits ein Problem dar: Rund 90 Prozent des in Yanbu verladenen Rohöls wird mit Supertankern transportiert, die eine Kapazität von bis zu 2 Millionen Barrel haben. Der Suezkanal ist jedoch zu flach für eine vollbeladene Durchfahrt solcher Schiffe.

Wie die Financial Times berichtet, wäre Saudi-Arabien gezwungen, seine Ölproduktion weiter zu drosseln, und asiatische Abnehmer müssten mit Lieferverzögerungen von bis zu einem weiteren Monat rechnen, falls es den Huthi-Rebellen gelingt, die Bab-al-Mandab-Straße zu blockieren.

„Der Druck auf die Region nimmt enorm zu“, warnte Helima Croft, Analystin bei RBC Capital Markets. Sie beschrieb die wachsenden geopolitischen Unruhen als eine Situation, in der „alles, überall und gleichzeitig“ geschehe. Ein größerer regionaler Konflikt könnte den Ölpreis über das bisherige Rekordhoch von rund 146 US-Dollar pro Barrel aus dem Jahr 2008 treiben, fügte sie hinzu.

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