Ermittler haben laut einem Bericht von Bloomberg bisher übersehene Hinweise eines Analysten als eine der Ursachen für den Raketenangriff auf eine iranische Schule identifiziert. Der Vorfall ereignete sich Ende Februar am ersten Tag der gemeinsamen US-israelischen Militäroperation gegen den Iran. Eine Rakete traf eine Mädchenschule in der Stadt Minab. Nach offiziellen Angaben der iranischen Behörden starben dabei 175 Menschen, darunter 168 Schülerinnen. Zudem wurden 95 Personen verletzt.
Im April leitete das US-Verteidigungsministerium eine Untersuchung des Angriffs ein. Der Bloomberg-Bericht stützt sich auf mehrere mit dem Ermittlungsprozess vertraute Quellen und nennt vorläufige Ergebnisse. Bereits einige Jahre vor dem Ausbruch des Iran-Krieges soll ein Analyst der US-Nachrichtendienste die Daten zu möglichen Zielen künftiger Angriffe überprüft haben. Dabei stellte er Veränderungen an einem Ort in Minab fest, den das US-Militär als Marinestützpunkt einer iranischen Eliteeinheit eingestuft hatte. Tatsächlich handelte es sich jedoch um eine Grundschule.
Der Analyst trug die neuen Informationen laut Bloomberg in ein digitales Werkzeug ein. Dieses war jedoch nicht mit der offiziellen Datenbank der Nachrichtendienste verbunden, die das US-Militär für die Angriffe im Februar 2026 nutzte. Die aktualisierten Angaben standen der Militärführung daher nicht zur Verfügung.
Den Quellen von Bloomberg zufolge stammten die Anmerkungen des Analysten aus dem Jahr 2019, fanden aber nie Beachtung. Seitdem seien die Daten zu demselben Ort mehrfach überprüft worden, ohne dass die Zieldatenbank aktualisiert wurde. Diese Details sollen seit April in den Ermittlungen des Pentagons aufgetaucht sein. Die Untersuchung innerhalb des US-CENTCOM wird von einem General der US Air Force geleitet, der nicht dem Kommando angehört, und ist noch nicht abgeschlossen.
Ehemalige hochrangige Nachrichtendienstbeamte betonten gegenüber Bloomberg, dass grundlegende Probleme bei der Analyse potenzieller Angriffsziele bereits seit Langem bestehen. Mindestens zwei Datenbanken, die für Kommentare zu Informationen aus der visuellen Aufklärung genutzt werden, seien nicht mit der offiziellen Zieldatenbank synchronisiert.
Nach der gemeinsamen Doktrin zur Einsatzplanung, die Bloomberg vorliegt, kann ein Kommandeur nach der Erstellung einer Zielliste zusätzliche, optionale Überprüfungen anordnen. Dazu gehört die Analyse möglicher Abweichungen in den Zielmerkmalen sowie die Auswertung neuer Bilddaten.
Es wäre “undenkbar”, dass ein Kommandeur am ersten Tag einer neuen Militärkampagne keine gründliche Überprüfung der für Angriffe vorgesehenen Ziele durchführen würde. Das CENTCOM hatte in Vorbereitung auf den Einsatz Ziele im Iran untersucht. Es bleibt jedoch unklar, ob ein zusätzliches Verfahren eingeleitet wurde, einschließlich der Koordinierung zwischen verschiedenen Diensten sowie einer erneuten Analyse der ursprünglichen Daten und neuer Bilder.
Wenige Tage nach dem Angriff auf die Schule hatte US-Präsident Donald Trump die Verantwortung dem Iran zugeschrieben. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte Mitte März, die Untersuchung werde so lange dauern, wie nötig, um alle Fragen zu dem Vorfall zu klären. Sein Ministerium werde die Ergebnisse mitteilen, sobald sie vorliegen.
Mehr zum Thema – Iran-Krieg: Teheran fordert Reparationen von “US-Komplizen”