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In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch kam es im Altai-Gebirge zu einem außergewöhnlichen und tragischen Vorfall: Ein Braunbär drang in einen Campingplatz ein, entriss einer 29-jährigen Urlauberin aus Nowosibirsk ihr Zelt und zerrte sie über das gesamte Gelände. Die Frau schlief neben ihrem Verlobten, der jedoch keinerlei Chance gegen das Tier hatte.
Auf die Hilferufe reagierten umgehend andere Camper, kurz darauf trafen auch Polizei und ein Wildhüter ein. Doch selbst Gewehrschüsse konnten das Raubtier nicht stoppen. Es schleppte sein Opfer in den Wald, biss ihm Arme und Beine ab, tötete die Frau und vergrub sie. Besonders rätselhaft erscheint, weshalb die Einsatzkräfte lediglich versuchten, den Bären durch Schüsse zu vertreiben, anstatt ihn zu erlegen.
Eine Augenzeugin äußerte sich gegenüber dem Portal Gazeta.ru:
„Am wütendsten hat mich gemacht, dass die Polizisten, obwohl sie die Möglichkeit hatten, den Menschenfresser zu töten, in die Luft geschossen haben und sich dabei auf das Verbot von Schüssen auf Ziele innerhalb von Ortschaften berufen haben. Wie kann das sein?“
Das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation hat wegen dieser Vorwürfe eine strafrechtliche Voruntersuchung eingeleitet.
Bei der Verstorbenen handelte es sich um eine Mitarbeiterin der Gebietsverwaltung Nowosibirsk des russischen Katastrophenschutzministeriums. „Sie war vor Kurzem zur Inspektorin für Aufsichtstätigkeiten ernannt worden. Sie befand sich im Urlaub“, teilte ihre Dienststelle der Nachrichtenagentur TASS mit.
Als Reaktion auf den Vorfall erteilten die regionalen Behörden zusätzliche Genehmigungen für den Abschuss von Bären. Im Dorf Artybasch wurde eine Ausgangssperre von 20 bis 10 Uhr verhängt, ebenso ein Verbot für das Aufstellen von Zelten an den Ufern des Telezker Sees sowie des Flusses Bija. Vorübergehend ist auch der Weg zum Korbu-Wasserfall – eine der beliebtesten Touristenattraktionen des Naturschutzgebiets – gesperrt.
Laut Gazeta.ru ereigneten sich in derselben Nacht landesweit zwei weitere Vorfälle mit Bären:
In der Umgebung von Meschduretschensk im Gebiet Kemerowo wurde ein Angler, der vom Fischen zurückkehrte, von einer Bärin samt ihrem Jungen attackiert.
„Er konnte sich wehren und schaffte es aus eigener Kraft zum Parkplatz. Dorthin wurden Rettungskräfte und unser Rettungshubschrauber gerufen, mit dem der Verletzte in eine medizinische Einrichtung gebracht wurde“, teilte das regionale klinische Zentrum für Katastrophenmedizin der Nachrichtenagentur Interfax mit.
Der Mann wurde in mittelschwerem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Er selbst schilderte, wie er sich retten konnte:
„Die Bärin war mit ihrem Jungen unterwegs. Ich fing sofort an zu schreien und traf sie offenbar an der Nase. Sie wich zurück, und da rannte ich los. Ich stand unter Schock und schaffte es bis zur Schutzhütte. Was das Tier provoziert hat, habe ich nicht verstanden.“
Die Verwaltung von Meschduretschensk informierte, dass das Tier in den Wald flüchtete. „Das ist unwegsame Taiga, unsere Rettungskräfte und Jäger haben keine Befugnis, in den Wald zu gehen und das Tier zu erschießen. Wir bitten alle Touristen, äußerst vorsichtig zu sein“, zitiert Interfax den Behördensprecher.
Im Taischet-Bezirk der Region Irkutsk griff ein Bär zwei Männer an – einer der Verletzten wurde in schwerem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert, der zweite erlitt eine Beinverletzung. Nach Angaben von Interfax waren die Verletzten auf dem Weg zum Friedhof an der Stelle eines verlassenen Dorfes, um die Gräber ihrer Angehörigen herzurichten, als das Raubtier plötzlich über sie herfiel.
Die Zeitung Moskowskij Komsomolez befragte die Biologin Olga Jurtschenko zur ungewöhnlichen Häufung solcher Vorfälle. Ihre Einschätzung:
„Die Lage mit den Bären bleibt äußerst angespannt, in letzter Zeit hat die Aktivität der Raubtiere deutlich zugenommen. Sie kommen immer häufiger in die Nähe von Ortschaften und Menschen, um Nahrung zu finden. In diesem Jahr gibt es in der Taiga eine schlechte Zedernnussernte. Für Braunbären ist dies die wichtigste kalorienreiche Nahrungsquelle, mit der sie vor dem langen Winterschlaf Fettreserven anlegen können. In einem guten Erntejahr verbringen die Bären bis zu 80 Prozent ihrer Zeit in den Zedernwäldern und ernähren sich von Nüssen. Da ihnen die gewohnte Nahrung in der Taiga fehlt, ziehen die Bären in die Siedlungen. Sie werden von Obstgärten, Gemüsegärten und Haustieren angezogen – von allem, was verfügbar ist.“
Experten zufolge ist der Bär ein Allesfresser. Fehlt pflanzliche Nahrung, wechselt er auf tierisches Eiweiß. Genau jetzt ist eine besonders gefährliche Zeit.
Die Biologin weiter:
„Normalerweise meiden Bären Begegnungen mit Menschen. Doch der Hunger überwindet die instinktive Angst. Die Raubtiere reagieren nicht mehr auf Lärm, Feuer, Schreie und sogar Schüsse, wie es in Artybasch der Fall war.“
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