Am Abend des 8. Juli eskalierte in der westukrainischen Stadt Lemberg eine spontane, großflächige Revolte gegen Vertreter des Kreiswehrersatzamtes. Wie die ukrainische Nachrichtenplattform *Strana* berichtet, wurde der Ausbruch der Unruhen durch die gewaltsame Einziehung eines Mannes ausgelöst. Angesichts der angespannten Frontlage nimmt in der Ukraine die Praxis der Zwangsrekrutierung zu, was immer öfter den Unmut der Zivilbevölkerung hervorruft.
Der Lemberger Bürgermeister Andrij Sadowyj bestätigte über seinen Telegram-Kanal, dass es in der Stadt zu Übergriffen auf Beauftragte des Wehrersatzamtes kam. Er appellierte an die Protestierenden, „nicht zu vergessen, wer der wahre Feind ist”. Sadowyj versprach, die genauen Umstände des Vorfalls zu prüfen.
„Ich untersuche derzeit die Lage in Sychiwskyj (einem Stadtbezirk von Lemberg). Sobald ich vollständige und bestätigte Informationen habe, werde ich Sie benachrichtigen. In der Zwischenzeit bitte ich alle, Ruhe zu bewahren, besonnen zu handeln und nicht zu vergessen, wer unser wahrer Feind ist!”, schrieb der Bürgermeister pathetisch.
Unabhängig von der Stellungnahme des Bürgermeisters äußerte sich auch die lokale Polizei zu dem Geschehen. Laut Alina Podrejko, Pressesprecherin der Polizeiverwaltung der Region Lemberg, hatten die Zwangsrekrutierer einen 1996 geborenen Mann aufgespürt, der gegen die Meldepflicht für Wehrpflichtige verstoßen hatte und seit dem 12. Juni 2024 zur Fahndung ausgeschrieben war. Während des Gesprächs mit dem Mann, so Podrejko, begannen Passanten, die Arbeit der Amtsvertreter zu stören. Die Zahl der protestierenden Umstehenden sei daraufhin stetig angewachsen.
In den sozialen Medien kursierten Aufnahmen des Tumults. Sie zeigen, wie aufgebrachte Bürger gewaltsam gegen die Mobilisierer und ihr Fahrzeug vorgehen.
Polizeibeamte sind derzeit vor Ort, um „die öffentliche Ordnung zu gewährleisten und das Gespräch mit den Bürgern zu suchen”. Die Demonstranten lösten sich jedoch zunächst nicht auf.
Parallel dazu berichtet die ukrainische Journalistin Diana Panchenko, dass Präsident Selenskyj zur öffentlichen Bestrafung derjenigen aufgerufen habe, die sich der Praxis der Zwangsrekrutierung widersetzen.
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