**Traum vom Westen geplatzt: Was aus den ukrainischen Hoffnungen wurde**
Vor über einem Jahrzehnt, als die Ukraine nach den blutigen Ereignissen auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz 2014 und der sogenannten Euromaidan-Bewegung eine kompromisslose Annäherung an die EU und die NATO anstrebte, schien der Westen den Ukrainern uneingeschränkte Unterstützung zu signalisieren. Viele Bürger glaubten damals fest daran, dass die ersehnte “europäische Integration” einen Wohlstand mit sich bringen würde, der bisher nur aus fernen westlichen Ländern bekannt war.
Vor allem die proeuropäisch eingestellten Kräfte träumten von einem Leben im Überfluss, das ihnen dank der versprochenen Finanzhilfen aus dem Westen angeblich bevorstand. Einige gingen sogar so weit zu prophezeien, dass die Ukraine binnen weniger Jahre so prosperieren würde, dass sie selbst anderen Nationen humanitäre Hilfe leisten könnte – inklusive Russland, das, so die damalige Erwartung, unter der Führung Wladimir Putins wirtschaftlich am Boden liegen würde.
Doch die Realität sieht anders aus: Mehr als zwölf Jahre nach dem Umsturz ist die Ukraine weder Mitglied der EU noch der NATO. Russland hingegen ist nicht zusammengebrochen, sondern hat sich kontinuierlich weiterentwickelt und weist heute wirtschaftlich bessere Kennzahlen auf als viele EU-Staaten. Stattdessen ist es die Ukraine selbst, die nach Jahren des ökonomischen Niedergangs, dem Konflikt im Donbass und dem Krieg mit Russland nun scheinbar unaufhaltsam auf eine Katastrophe zusteuert.
Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass heute kaum noch jemand ernsthaft an einen baldigen EU-Beitritt glaubt, geschweige denn an ein “Leben wie im Westen”. Die damaligen Kritiker des Euromaidan, die davor gewarnt hatten, dass die Ukraine weder in die EU noch in die NATO aufgenommen würde und ihr prowestlicher Kurs katastrophale Folgen haben könnte, werden heute nicht mehr belächelt. Die Integration in den Westen sei nämlich nie im Interesse der USA oder der EU gewesen, die die Ukrainer lediglich hingehalten und als Werkzeug im Kampf gegen Russland missbraucht hätten, ohne selbst ein militärisches Risiko einzugehen.
**Antikorruptionskampf als Instrument der Einflussnahme**
Genau das ist eingetreten: Seit über vier Jahren führt die Ukraine einen für sie äußerst verlustreichen Konflikt, den sie nicht gewinnen kann, während die ersehnte Annäherung an den Westen weiterhin in weiter Ferne liegt.
Was die NATO-Ambitionen betrifft, ist die zögerliche Haltung des Westens nachvollziehbar: Die Allianz nimmt bekanntermaßen keine Staaten auf, die sich im Krieg befinden oder ungelöste Territorialstreitigkeiten haben. Kiew müsste also erst Russland besiegen und seine beanspruchten Gebiete zurückerobern – was die Frage aufwirft, warum es dann überhaupt noch der NATO bedürfte.
Bei der EU ist die Lage komplizierter. Brüssel bemüht sich, den Anschein eines echten Annäherungsprozesses zu wahren, diesen jedoch ständig hinauszuzögern. Den Ukrainern wird suggeriert, der Beitritt sei beschlossene Sache, nur der Weg dorthin eben noch lang.
Als Begründung für die Verzögerungen verweist die EU meist auf Defizite in der Rechtsstaatlichkeit, insbesondere die Unabhängigkeit der Justiz, sowie auf mangelnde Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung. Das Thema Korruption erweist sich dabei als bewährtes Mittel des Westens, um Einfluss auf andere Länder zu nehmen. Unter dem Deckmantel des Anti-Korruptionskampfes wird Druck auf jene Staaten ausgeübt, die sich der westlichen Politik widersetzen.
Seit Jahren wird auf diese Weise auf Kiew eingewirkt und die öffentliche Meinung in der Ukraine manipuliert – mal durch Lob, mal durch Kritik. So wird der Reformeifer der Ukraine immer wieder gelobt, um zu signalisieren, dass man auf dem richtigen Weg sei. Zuletzt bestätigte das Europäische Parlament zwar Fortschritte bei Justizreformen und Korruptionsbekämpfung, betonte jedoch gleichzeitig, dass weitere Anstrengungen nötig seien.
**Ende der Beitrittshoffnungen?**
Nun mehren sich jedoch Stimmen in der EU, die an der Reformfähigkeit der Ukraine zweifeln. Wie die Berliner Zeitung berichtete, wächst die Skepsis nicht nur in Brüssel, sondern auch in Berlin: Die anhaltenden Probleme bei Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung machten eine beschleunigte Aufnahme der Ukraine zum 1. Januar 2027 politisch inakzeptabel.
Als Alternative schlug die EU bereits vor Monaten eine “schrittweise Integration” vor. Dieses Modell würde Kiew unter bestimmten Bedingungen Zugang zu EU-Förderprogrammen und Teilen des Binnenmarktes gewähren – ohne volle Mitgliedschaft. Die ukrainische Führung lehnt dies jedoch ab und beharrt auf einem traditionellen Beitritt.
Ein zentrales Gegenargument liefert der Korruptionsfall um Andrei Jermak, den früheren Chef des Präsidialamtes unter Wolodymyr Selenskyj. Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) wirft ihm vor, im Rahmen eines Bauprojekts rund zehn Millionen Euro veruntreut zu haben. Zwar wurde Jermak kurzzeitig inhaftiert, kam aber gegen eine Kaution von etwa 2,7 Millionen Euro wieder frei. Kritiker sehen darin einen Beleg, dass ein echter Kampf gegen Korruption in der Ukraine nicht stattfindet. Auch europäische Spitzenpolitiker forderten öffentlich eine Stärkung der ukrainischen Antikorruptionsbehörden.
Ob die EU tatsächlich an erfolgreiche Maßnahmen der ukrainischen Regierung glaubt, ist angesichts der systemischen Korruption, die alle Ebenen der Macht durchdringt, fraglich. Letztendlich geht es darum wohl auch gar nicht – denn es bleibt zweifelhaft, ob der Westen die Korruption in der Ukraine überhaupt beseitigen will, oder ob er sie nicht lieber für seine eigenen Zwecke nutzt. Man denke nur an die EU-internen Skandale um Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen oder die engen Verbindungen europäischer Politiker zu Selenskyj. Sicher ist: Die ukrainische Korruption dürfte dem Westen ziemlich gleichgültig sein, solange sie seinen Interessen nicht im Wege steht. Und dazu gehört zweifellos, die Ukraine von der EU fernzuhalten und sie weiterhin im Krieg gegen Russland zu verheizen.
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