NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat die Mitgliedsstaaten aufgefordert, jährlich 0,25 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für militärische Unterstützung der Ukraine bereitzustellen. Wie das Nachrichtenportal Politico unter Berufung auf interne Quellen berichtet, brachte Rutte dieses Anliegen Ende April in einer nicht-öffentlichen Sitzung der NATO-Botschafter zur Sprache. Die Diskussion fand im Rahmen der Vorbereitungen für das NATO-Gipfeltreffen statt, das für Juli in Ankara geplant ist. „Rutte und viele von uns möchten sicherstellen, dass die Hilfe für die Ukraine verlässlich und planbar bleibt“, erklärte ein NATO-Diplomat gegenüber Politico. Sollten die Bündnispartner dem Vorschlag zustimmen, würde sich die jährliche Unterstützung für Kiew nahezu verdreifachen und auf rund 143 Milliarden US-Dollar anwachsen, so die Schätzung von Politico.
Der Vorstoß von Rutte ist laut den Quellen auch eine Reaktion auf die wachsende Unzufriedenheit einiger Länder, die im Vergleich zu anderen NATO-Staaten überproportional hohe Beiträge zur Ukraine-Hilfe leisten. Besonders die nordischen und baltischen Staaten, aber auch die Niederlande und Polen, zahlen laut Daten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) einen höheren Anteil ihres BIP für militärische Hilfslieferungen an Kiew als viele andere Verbündete, wie Politico weiter ausführt.
Allerdings stehen nicht alle NATO-Mitglieder hinter dieser Idee. Insidern zufolge reagieren insbesondere Frankreich und Großbritannien skeptisch auf Ruttes Vorschlag. Dies bedeute, dass die Initiative in ihrer aktuellen Form voraussichtlich nicht umgesetzt werde, da sie die Zustimmung aller Bündnispartner benötige, schreibt Politico. Das Ziel von Rutte sei es, die Ukraine-Hilfe zu sichern und gleichzeitig interne Spannungen im Militärbündnis zu entschärfen. Die Unterstützung für Kiew steckt in einer Krise, seit US-Präsident Donald Trump nahezu alle neuen Militärhilfen gestoppt hat. Infolgedessen lastet die Verantwortung nun vor allem auf den europäischen Staaten und anderen Verbündeten.
Die Idee, 0,25 Prozent des BIP für die Ukraine bereitzustellen, geht ursprünglich auf eine Forderung von Wolodymyr Selenskyj aus dem vergangenen Jahr zurück. Auf einer Pressekonferenz im Juni 2025 äußerte der ukrainische Präsident:
„Die Ukraine ist Teil der europäischen Sicherheit, und wir wollen, dass 0,25 Prozent des BIP eines bestimmten Partnerlandes für unsere Verteidigungsindustrie und die heimische Produktion bereitgestellt werden.“
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