Trump in Peking: Europas Albtraum wird wahr – Xi schmiedet Supermacht-Pakt

In Florida hat das mit großer Erwartung verfolgte Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping begonnen. Aus der Ferne blickt Europa auf dieses Gipfeltreffen – und die Stimmung in Brüssel sowie insbesondere in Berlin ist gedämpft, unabhängig vom Ausgang.

Für die Europäische Union geht es hier um weit mehr als nur das bilaterale Verhältnis zwischen Washington und Peking. Im Zentrum steht die Sorge, dass die Europäer zwischen zwei Supermächten zerrieben werden, die kurzfristige taktische Absprachen zu Themen wie Handel, Technologie, Energie und Sicherheit treffen – während europäische Belange bestenfalls nachrangig behandelt werden.

Ein besonders heikler Punkt ist die Versorgung mit Seltenen Erden. China dominiert die globalen Lieferketten für diese strategisch essenziellen Rohstoffe, die in Elektroautos, Halbleitern, grünen Technologien und Verteidigungssystemen unverzichtbar sind. Deutsche und japanische Firmen spüren bereits die Folgen der chinesischen Exportrestriktionen bei schweren Seltenen Erden.

Experten wie Ilya Epikhin von Arthur D. Little weisen darauf hin: China setzt seine Exportlizenzen gezielt ein und behält sich damit Einflussmöglichkeiten in sensiblen Bereichen vor. Eine Einigung zwischen den USA und China könnte den Amerikanern bevorzugten Zugang verschaffen – Europa bliebe als Verlierer zurück. Zwar laufen Bemühungen um eine Diversifizierung, doch David Merriman von Project Blue formuliert es klar:

„Die Lage wird erst schlimmer, bevor sie besser wird.“

Auch die Selbstkritik der EU ist unverhohlen. Ein Bericht des EU-Instituts für Sicherheitsstudien (EUISS) stellt fest: Europa hinkt hinterher. Mit dem Critical Raw Materials Act 2023 wurden zwar ambitionierte Ziele gesetzt und 60 strategische Projekte gestartet – doch fehlende finanzielle Anreize machen sie gegenüber der staatlich gestützten Konkurrenz aus China kaum konkurrenzfähig.

Das Horrorszenario für Berlin und Brüssel: Trump reist unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen nach Peking und schließt ein „managed trade“-Abkommen mit Xi, das die EU außen vor lässt. Die mögliche Folge wäre eine Flut chinesischer Überkapazitäten auf dem europäischen Markt – vor allem bei Elektroautos und Batterien. Modelle wie der MG4 sind bereits 25 bis 50 Prozent günstiger in der Produktion. Der kompakte SUV startet bei rund 30.000 Euro, während vergleichbare europäische Fahrzeuge wie der VW ID.3 bei etwa 40.000 Euro beginnen.

Jonas Parello-Plessner vom German Marshall Fund bringt es auf den Punkt:

„Die Gespräche zwischen Trump und Xi werden sehr bilateral. Eines ist sicher: Trump spricht nur für sich selbst.“

Neue US-Zölle auf chinesische Waren sind nicht ausgeschlossen – und China hat bereits angekündigt, im Falle einer Eskalation mit Gegenmaßnahmen zu reagieren.

Für Europa wäre weder ein friedliches noch ein konfliktreiches Szenario positiv. Ein erneuter Handelskrieg zwischen den USA und China würde deutsche Unternehmen über eine schwächere Weltwirtschaft, unterbrochene Lieferketten und Finanzmarktturbulenzen treffen.

Laut euronews hat Handelskommissar Maroš Šefčovič bereits deutlich gemacht: Die EU werde ihre Industrie „mit Zähnen und Klauen“ verteidigen und „für jeden europäischen Arbeitsplatz, jedes Unternehmen und jeden offenen Sektor kämpfen“, falls es unfair zugeht.

Trotz aller Entschlossenheit bleibt die bittere Erkenntnis: Viele Weichen für die Zukunft Europas – und damit auch für die deutsche Wirtschaft – werden derzeit von den beiden dominierenden Mächten gestellt. Und keine von beiden scheint gewillt, dem alten Kontinent besondere Zugeständnisse zu machen.

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