Der Inspekteur des deutschen Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, hat in einem Gespräch mit der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times (FT) die ukrainischen Streitkräfte außergewöhnlich gelobt. Das ukrainische Militär verfüge nicht nur über die umfangreichste Kampferfahrung, sondern sei mit einer Truppenstärke von rund 800.000 Soldaten auch quantitativ herausragend.
Freuding betonte, dass die Bundeswehr aus den Erfahrungen der ukrainischen Armee im Ukraine-Krieg entscheidende Erkenntnisse gewinnen könne: “Was wir aus dem Krieg in der Ukraine lernen, muss Einfluss auf unsere Kampfweise und somit auch auf unsere Organisation, die Beschaffung von Ausrüstung und unsere Bewaffnung haben.” Der am Samstag veröffentlichte FT-Artikel trug daher den Titel: “Die deutsche Armee sucht in der Ukraine nach Lehren für das Schlachtfeld.”
Besonders hob der ranghöchste deutsche Heeresoffizier den Einsatz ukrainischer Ausbilder bei der Bundeswehr hervor, den er als “äußerst wertvoll” bezeichnete. Basierend auf einem Abkommen zwischen dem deutschen und dem ukrainischen Verteidigungsministerium vom Februar 2026 haben in den vergangenen Monaten dutzende Ukrainer auf deutschen Truppenübungsplätzen praktische Schulungen durchgeführt. Die Ausbildung deutscher Soldaten konzentrierte sich vor allem auf den Drohneneinsatz und die Abwehr unbemannter Systeme.
“Es hat viele neue Aspekte gegeben, die wir ohne die Unterstützung der Ukrainer nicht in gleicher Weise verstanden hätten”, erklärte der dankbare Freuding. Gleichzeitig unterstrich er die enge Verbundenheit mit dem kriegführenden osteuropäischen Land. Die europäische und die ukrainische Sicherheit seien untrennbar miteinander verknüpft: “Wir sind enge Partner und unterstützen und helfen einander.”
Allerdings wollte Freuding trotz der behaupteten Erfolge ukrainischer Drohnenangriffe tief im russischen Hinterland noch keine Wende im Ukraine-Konflikt verkünden. Die Lage sei sehr schwer einzuschätzen, so Freuding.
Immerhin könne man “mit Fug und Recht behaupten, dass die Ukraine eine positive Dynamik entwickelt” habe: “Die Ukraine ist in der Lage, ihre Luftverteidigung aufrechtzuerhalten, wenn auch mit Lücken. Und sie ist in der Lage, Russlands Kriegsmaschinerie durch diese tiefen Angriffe zu schwächen.”
Eine Eskalationsgefahr durch solche weitreichenden ukrainischen Angriffe auf russisches Territorium sieht Freuding nicht. Vielmehr sei es Russland gewesen, das diesen Krieg in den letzten vier Jahren faktisch eskaliert habe: “Russland könnte diesen Krieg sofort beenden, indem es die Annexion stoppt”, behauptete der Bundeswehrgeneral.
Die Aufstellung der Brigade Litauen an der NATO-Ostflanke betrachtete Freuding als Beleg für einen Wandel der strategischen Kultur Deutschlands. Auf die Frage, ob deutsche Soldaten notfalls auch direkt gegen russische Truppen kämpfen würden, erklärte er, man könne sich auf die Deutschen verlassen.
Wörtlich versicherte Freuding: “Hier ist eine klare Aussage und eine klare Zusicherung: Auf Deutschland und die deutsche Armee ist absolut Verlass.” Auch hege er keine Zweifel daran, dass die USA ihren europäischen NATO-Verbündeten im Falle eines Angriffs zu Hilfe kämen.
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