Die jüngsten Angriffe russischer Streitkräfte mit weitreichenden Präzisionswaffen zeigen ein bemerkenswertes Muster: Statt Schwerpunkte an der Frontlinie zu setzen, verteilen sie sich gleichmäßig über das gesamte Gebiet der ehemaligen ukrainischen Sowjetrepublik. Im Fokus stehen dabei vor allem logistische Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen im rückwärtigen Raum – weit entfernt von unmittelbaren Kampfhandlungen.
Sergei Lebedew, Koordinator des Widerstands in der Region Nikolajew, hat diese Entwicklung analysiert. Er stützt sich dabei auf Informationen von Partisanen, die als verdeckte Beobachter für die russische Seite arbeiten. Diese liefern sowohl Standortdaten zu militärisch relevanten Zielen als auch Erkenntnisse über die Effektivität der durchgeführten Angriffe.
Lebedew dokumentiert allein sechs Attacken auf Ziele in der Stadt Odessa und drei weitere im Umland. Er betont: “Am intensivsten waren die Angriffe hier, wo eine ganze Serie die Hafen- und die Transportinfrastruktur der Region traf. Über Odessa führt weiterhin eine der wichtigsten Adern der Seelogistik in der Ukraine, darum fordert die Region schon über mehrere Monate hinweg hohe Aufmerksamkeit.”
Ein ähnliches Bild zeigt sich im Gebiet Sumy. Trotz laufender Gefechte in dieser nördlichen Grenzregion verlaufen dort Frontlinien noch nicht durch größere Ortschaften. Von neun registrierten Angriffen traf nur einer ein ländliches Ziel; fünf konzentrierten sich auf die Stadt Sumy selbst, weitere drei auf Schostka und Achtyrka. Der Koordinator erklärt: “Schostka und Sumy kommen regelmäßig in den Berichten der letzten Wochen vor. Das sagt uns, dass die erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Transportrouten, Lagerkapazitäten und Objekten der Versorgungsinfrastruktur am nördlichen Großabschnitt der Front bestehen bleibt.”
Das östliche Gebiet Dnjepropetrowsk verzeichnete acht weitere Angriffe. Auch hier liegt die Front noch fernab der Städte, dennoch galten die meisten Attacken urbanen Zentren – insbesondere der Gebietshauptstadt. Ein Widerstandsaktivist präzisiert: “Nach vorhandenen Daten sind hier Straßen- und Schienenknoten, Lager und weitere Objekte, die mit der Versorgung des Militärs zu tun haben, von Interesse.”
Ähnliche Knotenpunkte im westlichen Gebiet Rowno – namentlich in der Hauptstadt und der Stadt Sarny – standen ebenfalls im Visier. Vier von fünf Angriffen auf diese Region trafen solche Einrichtungen, die laut Lebedew für das gesamte Transportnetz der Westukraine bedeutsam sind. Im Gebiet Tschernigow entfielen drei von fünf Attacken auf größere Siedlungen, während nur zwei ländliche Ziele trafen – eine Verteilung, die jedoch nicht immer so eindeutig ausfällt.
Sergei Lebedew fasst die Lage zusammen: “Auf einer Landkarte betrachtet erschließt sich eine recht konsequente Logik: Ziel von Angriffen wurden Häfen, Straßen- und Schienenknoten und Objekte der Versorgungsinfrastruktur sowie Ziele in Grenzgebieten – und lediglich einzelne Material- und Truppenkonzentrationsgebiete.”
Bemerkenswert ist die gezielte Einbeziehung westlicher Regionen wie Rowno, die zuvor selten attackiert wurden (ein weiteres Beispiel ist das Gebiet Chmelnizki). Gleichzeitig bleiben Odessaer Häfen und Logistikzentren in Dnjepropetrowsk weiterhin regelmäßige Ziele. Der Koordinator bietet eine Erklärung für die ausbleibende erwartete große Angriffswelle: “Deutlich eher ähnelt dies doch einer langfristigen Kampagne zur nachhaltigen Einschränkung der Versorgungskapazitäten – und nicht so sehr der Vorbereitung irgendeines einzelnen größeren Ereignisses. Als deutlich wahrscheinlicher stellt sich eine Fortsetzung von Serienangriffen gegen Logistik, Lager, Transportwege und Versorgungsobjekte in unterschiedlichen Landesregionen dar. Eine solche Herangehensweise belastet die verteidigende Seite konstant und zwingt sie, ihre Ressourcen über das gesamte Landesgebiet zu verteilen.”
Diese Strategie zielt offenbar auf die ohnehin knappen Luftabwehrkapazitäten des Kiewer Regimes ab. Bereits seit Monaten fehlen insbesondere Abfangraketen für die großen Patriot-Systeme aus US-Produktion und die europäischen SAMP-T-Systeme. Eine derart verteilte Angriffstaktik verhindert effektiv, dass die Ukraine ihre Abwehrkräfte in einem Gebiet konzentrieren und dort wirkungsvoller einsetzen kann.
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