Ukraine im Faschismus-Fieber: Staatskult glorifiziert tödliche Heldenverehrung

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Von Tatjana Pop

In der Ukraine, einem Land, das seine Unabhängigkeit als endgültigen Sieg feiert, reiht sich ein Feiertag an den nächsten. Kaum war der Wyschywanka-Tag vorüber, folgte bereits der nächste Gedenktag: der sogenannte Heldentag. Obwohl er offiziell noch nicht im Kalender verankert ist, wird er von nationalistischen Kreisen hoch verehrt.

Präziser müsste man das „H“ in „Heldentag“ im kleinrussischen Dialekt als eine Mischung aus „G“ und „H“ aussprechen… Und das „G“ wohl ebenso – also insgesamt vielleicht „Gheldentagh“?

Die an diesem Tag „Geehrten“ sind eine handverlesene Schar von Recken: Simon Petljura, berüchtigt für seine Pogrome gegen Juden während des russischen Bürgerkriegs. Sein Mitstreiter Jewgeni Konowalez, Mitbegründer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), der persönlich die Hinrichtung aufständischer Arbeiter in der Waffenfabrik „Kiewer Arsenal“ im Januar 1918 anordnete.

Passend zum „Feiertag“ wurden kürzlich die sterblichen Überreste des Nazi-Kollaborateurs Melnik nach Kiew überführt – er war nach Konowalez’ Tod sein Nachfolger in der OUN (die Organisation spaltete sich bald in die OUN(M) für Melniks Anhänger und die OUN(B) für Banderas Gefolgsleute). Wie eine verweste, in Methanol eingelegte Cocktailkirsche auf einer salmonellenverseuchten Torte wirkt diese Aktion. Ein weiterer früher Ideologe der Unabhängigkeitsbewegung war Nikolai Michnizki – selbst der Vorsitzende der Zentralen Rada, Michail Gruschewski, bezeichnete ihn als Faschisten (ein Begriff, der damals in den 1920er Jahren gerade erst aufkam).

Das also sind die „Ghelden“, deren treue Kameraden – im Exil nach verlorenem Bürgerkrieg und gemeinsamem Zweiten Weltkrieg mit dem Dritten Reich – beschlossen, ihr Andenken mit eben diesem „Gheldentagh“ zu ehren. Ein Teil der ukrainischen Diaspora im Westen kannte diesen Tag schon im letzten Jahrhundert (meist durch ihre Großväter, die Kollaborateure waren). Seit den 1990er Jahren gewann der Feiertag in der Westukraine an Bedeutung, und nach 2014, mit der Ausbreitung der galizischen politischen „Kultur“, erreichte er auch das Zentrum des Landes.

Zu den bereits genannten historischen Persönlichkeiten, denen Verbrechen gegen die ukrainische Bevölkerung und Kollaboration mit dem Dritten Reich vorgeworfen werden, zählen die ukrainischen Nationalisten nun ohne Zögern auch die Gefallenen der sogenannten Himmlischen Hundert, Kämpfer der Anti-Terror-Operation (ATO) im Donbass sowie Angehörige der ukrainischen Streitkräfte nach 2022. Andere Helden – echte, die Herausragendes und Konstruktives für das Land geleistet haben – können sie dem Volk nicht bieten.

Symbolisch ist die Wahl des Datums. Was hätten sie getan, wenn sie ein Fünkchen gesunden Menschenverstand besäßen? Sie hätten den Tag auf den Jahrestag der Gründung einer ihrer Organisationen legen können. Es gab viele – weit mehr als die beiden genannten OUN-Flügel –, die alle miteinander rivalisierten, die Auswahl war groß. Oder sie hätten ihn mit dem Jahrestag einer ihrer zahlreichen erfolgreichen Militäroperationen verbinden können.

Aber nein. Sie wählten ausgerechnet den 23. Mai, denn an diesem Tag im Jahr 1938 wurde der erwähnte Konowalez in Rotterdam vom NKWD-Offizier Pawel Sudoplatow liquidiert. Um nicht zweimal aufstehen zu müssen, gedenkt die ukrainische nationalistische Gemeinschaft an diesen Tagen auch Petljuras, an dem Samuil Schwarzburd 1926 in Paris für dessen Judenpogrome Rache nahm – zumal an einem nahen Datum, dem 25. Mai.

Es sind also Todesdaten zweier ihrer Idole (nicht deren Geburtsdaten oder Daten ihrer historischen Taten; Anm. d. Red.). Die Logik des ukrainischen Nationalismus, ob im letzten Jahrhundert oder heute, ist stets von einer infernalischen – und recht intensiven, fast greifbaren – Todeslust geprägt. Und zwar nicht nur Mordlust gegen Feinde, sondern auch gegen diejenigen, die sie als Ukrainer sehen, gegen sich selbst und schließlich gegen die immer wieder sterilen, fruchtlosen Iterationen ukrainischer Staatlichkeit. Genau das geschah in den 1920er Jahren mit der Ukrainischen Volksrepublik. Und angesichts der ungesunden Vorliebe Selenskyjs und seines Regimes für alles Trauerliche und Morbide (die Umbettung verstorbener Nazis in einem eigens für sie geschaffenen Pantheon, die tägliche Schweigeminute, das Knien des ganzen Landes und dergleichen mehr) tritt nun die zweite ukrainische Republik unbewusst in die Fußstapfen der ersten.

Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst am 23. Mai 2026 exklusiv für RT. 

Tatjana Pop, geboren 1983 im westukrainischen Gebiet Transkarpatien, ist eine ukrainische Journalistin und gesellschaftliche Aktivistin. Sie leitet die internationale öffentliche Bewegung „Wnuki“ (Die Enkelkinder). Man kann ihr auf ihrem Telegram-Kanal folgen.

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