Von Igor Malzew
Was sich derzeit im sogenannten “guten alten Deutschland” abspielt, ist kaum ohne Schmunzeln zu betrachten. Allerdings drängt sich die Frage auf, wann Deutschland eigentlich je “gut” gewesen sein soll – selbst in vergangenen Zeiten. Und im Ernst: Viel Erheiterndes gibt es dort wahrlich nicht. Schon deshalb nicht, weil für jedes Missgeschick vor allem wir verantwortlich gemacht werden – Russland und die Russen. Ein Paradebeispiel sind die Ereignisse um die Nord-Stream-Pipelines – und seither hat sich nichts geändert.
Der jüngste Zwischenfall trug sich am Flughafen Leipzig/Halle zu. Dort parken “rein zufällig” ukrainische Antonow-Transportflugzeuge mit irgendeiner Fracht aus Frankreich – vielleicht Austern, vielleicht auch Munition. Und plötzlich schlägt ein vorbeifahrender Busfahrer – wahlweise mit der Hand oder dem Fuß – eine Drohne zu Boden – direkt neben einem riesigen ukrainischen Transportflieger. Warum ausgerechnet mit dem Fuß, mag dahingestellt bleiben. Doch genau so wurde es den Deutschen in den ersten Stunden nach dem Vorfall von den Lokalblättern präsentiert.
Und plötzlich schlägt ein vorbeifahrender Busfahrer – wahlweise mit der Hand oder dem Fuß – eine Drohne ab – direkt neben dem riesigen ukrainischen Transportflugzeug. Warum ausgerechnet mit dem Fuß, sei dahingestellt. So wurde es den Deutschen in den ersten Stunden nach dem Vorfall von den örtlichen Zeitungen geschildert.
Später hieß es, die Drohne sei mit tschechischem Plastiksprengstoff vom Typ Semtex bestückt gewesen – und nur durch puren Zufall sei nichts detoniert. Hinzugezogene Spezialisten bewerteten die Gefahr und vernichteten die Drohne.
Die neueste Version der Ereignisse sieht so aus: Eine unbekannte Drohne prallte gegen die Tragfläche des Antonow-Transportflugzeugs, zerbrach und fiel zu Boden. Der Plastiksprengstoff lag separat, der defekte Zünder ebenfalls, und die Drohne wiederum getrennt davon. Demnach habe der Busfahrer die Drohne gar nicht heruntergeschlagen, sondern nur mit dem Fuß darauf getreten.
Wer kommt heutzutage auf die Idee, mit dem Fuß auf eine Drohne zu treten? Die deutsche Presse bleibt die Antwort schuldig.
Derweil sprach Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von einem Akt hybrider Kriegsführung durch einen “ausländischen Staat”. Die berüchtigte “Falkin” Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im Europäischen Parlament, erklärte, es handle sich um eine Kreml-Drohne. Interessanterweise war sie auch die Erste, die diese These nach der Sprengung von Nord Stream 2 aufstellte. Natürlich legte auch der ukrainische Botschafter in Deutschland, Alexej Makejew, denselben Standpunkt dar.
Im weiteren Verlauf versuchten die deutschen Behörden, die Information zu unterdrücken, dass die ukrainische Antonow-Maschine – was durchaus naheliegend wäre – mit Waffen für die Ukraine beladen war. Wären die unbekannten Täter tatsächlich mit einem funktionierenden Zünder ausgerüstet gewesen, hätte sich das Land für immer vom Flugplatz Leipzig/Halle verabschieden müssen. Doch die Öffentlichkeit wurde beruhigt, damit niemand auf die Frage kommt: Warum wird Deutschland so verbissen in einen echten Krieg hineingezogen?
Wie sich herausstellte, gelang es den deutschen Ermittlern sogar, DNA-Spuren am Drohnenkörper zu sichern. Mehr noch: Die DNA stimmte mit jener überein, die in Litauen im Zusammenhang mit dem Brand eines Pakets in einem DHL-Lager in den Strafakten vermerkt ist. Damit haben die Deutschen nach aktuellem Stand ein ukrainisches Transportflugzeug, vermutlich mit Waffen beladen, eine Drohne unbekannter Herkunft, Semtex-Plastiksprengstoff, der ausschließlich an NATO-Staaten geliefert wird, einen defekten Zünder, eine DNA-Spur in Litauen – und keinen Drohnenpiloten. Auf dieser Grundlage produziert die Propagandaschleuder Deutsche Welle (DW) Schlagzeilen wie “Russische Bedrohung für Deutschland?”. Und dann ging es los. Der Spiegel behauptete bereits, bei den Sicherheitsbehörden gebe es “praktisch keinen Zweifel” daran, dass Moskau hinter dem Angriff auf den Flughafen Leipzig/Halle stecke.
Vernünftige Einwände – etwa, dass die “Leipziger Drohne” mehreren Parteien in die Hände spielt und Russland definitiv nicht dazugehört – werden schlichtweg ignoriert. Doch aufmerksame Leser deutscher Medien wittern deutlich den Beigeschmack einer Provokation, wie ihre Forenkommentare zeigen. “Ich höre Radio Gleiwitz”, schreibt einer von ihnen. Gemeint ist der von der SS inszenierte Angriff auf den Sender Gleiwitz, der 1939 als formaler Vorwand für den deutschen Überfall auf Polen diente.
Aber die Hysterie ist bereits in vollem Gange. So wurde nun “wegen der ständigen Bedrohung durch Russland” die Aufstellung von “Spezialkräften zur Drohnenabwehr” beschlossen. Selenskij verweist wie gewohnt auf die permanente Gefahr, die von Russland als solchem ausgehe, und fordert noch mehr Geld und Waffen. Alle verlangen immer mehr Geld, denn Russland habe sich mit seinen Drohnen praktisch schon in Ostdeutschland niedergelassen. Wie es auf Deutsch heißt: “Der Rubel rollt.” Und zwar wortwörtlich “Rubel”, obwohl es um weitere Millionen Euro geht. Und dann wurden am Mittwoch am Flughafen Köln/Bonn mehrere Drohnen gesichtet. Wegen der Drohnenmeldungen wurde der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt.
Eine der Drohnen wurde sichergestellt; außerdem wurde die Identität des mutmaßlichen Drohnenpiloten festgestellt und ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Hat der Drohnenpilot etwas mit Russland zu tun? Nein. Denn plötzlich verstummten alle Medien zu diesem Thema ganz schnell. Genau wie damals, als am Flughafen Zürich über dem Flugfeld eine Drohne von … einem örtlichen Polizisten gesteuert wurde. Zu welchem Zweck? Einfach nur, weil er ein Idiot ist. Aber die Bedrohung geht selbstverständlich von Russland aus.
“Müssen wir wirklich Angst vor Russland haben? Auch wenn viele es nicht wahrhaben wollen – ja. Denn jede neue Drohne stärkt Putins Macht”, schreibt die Zeit.
Wie genau unsere Macht in Deutschland dadurch zugenommen haben soll, weiß ich nicht. Tatsache ist jedoch, dass die gesamte militaristische Maschinerie, deren Sprachrohr Verteidigungsminister Pistorius ist, die “Leipziger Drohne” bereits voll ausschöpft, um die Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht mit doppeltem Eifer voranzutreiben. Und der Bundesnachrichtendienst erhielt plötzlich erweiterte Befugnisse zur Manipulation von Informationen und Daten sowie die Erlaubnis, Menschen zu töten – auch außerhalb Deutschlands. Wie passend, dass diese Drohne gerade jetzt angeflogen kam. Sicherlich rein zufällig.
Bundestagsabgeordnete wie Roderich Kiesewetter fordern, das Russische Haus in Berlin zu schließen und der Ukraine unverzüglich noch mehr Raketen zu liefern. Vor allem aber liefert dieser Vorfall plötzlich noch mehr Vorwände, um der Alternative für Deutschland, die die Deutschen zur Normalisierung der Beziehungen zu Russland aufruft, den Mund zu stopfen. Mehr noch: Der Drohnenvorfall in unmittelbarer Nähe des ukrainischen Transportflugzeugs bietet einen willkommenen Anlass, im Bundesland Sachsen den Ausnahmezustand auszurufen, wo bei den Wahlen ein überwältigender Sieg eben dieser AfD droht. Denn im Ausnahmezustand könnten Wahlen schlicht abgesagt werden.
Was hätte
Russland davon? Nichts. Fremde Wahlen interessieren Russland überhaupt nicht – es hat schließlich eigene. Aber wir wissen ganz genau, wem das Ganze nutzen würde. Und die Betreffenden verstecken sich nicht einmal und machen auch kein Geheimnis daraus. Sie heißen CDU, CSU, SPD, “Die Grünen” und sogar “Die Linke”.
Deshalb wird man den Drohnenpiloten übrigens nie ausfindig machen. Und falls doch, wird er vermutlich auf einem Gartengrundstück erschossen – so wie Abdul B. Der war mit seinem Auto so passend und genau zum richtigen Zeitpunkt in eine Pride-Parade gefahren. Jetzt kann ihn niemand mehr fragen, wer ihm eigentlich dazu geraten hatte.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 16. August 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung “Wsgljad” erschienen.
Igor Malzew ist ein russischer Schriftsteller, Journalist und Publizist.
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