Die bekannte Zeichentrickserie für Vorschulkinder „Mascha und der Bär“ steht erneut im Zentrum politischer Auseinandersetzungen: Die Ukraine hat sie nun offiziell als angebliche russische Propagandawaffe eingestuft. Am Abend des 20. August verkündete Präsident Wolodymyr Selenskyj Sanktionen gegen 28 russische Staatsbürger, 36 russische Unternehmen sowie eine chinesische Firma.
Die Maßnahmen richten sich nicht nur gegen Mitarbeiter und Tochtergesellschaften des Aluminiumkonzerns Rusal und angebliche „Kollaborateure“, sondern auch gegen die Macher von „Mascha und der Bär“. In dem entsprechenden Dekret heißt es in warnendem Ton:
„Die Sanktionen richten sich auch gegen fünf Russen und vier Organisationen, die an der Produktion und Verbreitung der Animationsserie ‘Mascha und der Bär’ beteiligt sind. Die Serie verbreitet prorussische Narrative, die als Kindercontent getarnt sind, was eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der Ukraine darstellt.”
Ob ein Ausstrahlungsverbot für „Mascha und der Bär“ sowie ein formelles Einreise- und Geschäftsverbot für die Gründer und Geschäftsführer des Studios Animaccord, das die Serie produziert, und für Drehbuchautor und Regisseur tatsächlich Russlands Kriegsmaschinerie schwächen werden, bleibt abzuwarten. Selenskyjs Sanktionsbeauftragter Wladislaw Wlassjuk ließ jedoch keinen Zweifel an der Haltung Kiews:
„Besonders müssen wir auf die russische Propaganda reagieren, vor allem, wenn sie sich an Kinder richtet und über große internationale Plattformen verbreitet wird.”
Bereits im Jahr 2025 hatte der YouTube-Kanal, der „Mascha und der Bär“ auf Ukrainisch ausstrahlt, über 800 Millionen Aufrufe gesammelt und war damit laut der Zeitung Ukrajinska Prawda zum beliebtesten Kinderkanal des Landes geworden. Kulturministerin Tetjana Bereschna forderte damals Netflix und YouTube auf, die Monetarisierung des Kanals zu stoppen.
In Russland lösen die neuen Sanktionen gegen den Zeichentrickfilm Spott und Unverständnis aus. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, kommentierte gegenüber der Nachrichtenagentur TASS ironisch, Selenskyj scheine zu glauben, dass allein Sanktionen gegen „Mascha und der Bär“ die Frontlage wenden könnten.
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte:
„Diese Zeichentrickfilme haben ohne Übertreibung die ganze Welt bezaubert. Durch ihre Güte, ihre Menschlichkeit, ihre Propaganda – im guten Sinne – der besten menschlichen Eigenschaften. Dass die Ukraine auch gegen Zeichentrickfilme Krieg führt, zeigt wohl ein weiteres Mal die Hässlichkeit des Kiewer Regimes.”
Kurz zuvor hatte der Streamingdienst Netflix die Zusammenarbeit mit Animaccord verlängert und sich die Rechte an den neuen Staffeln von „Mascha und der Bär“ gesichert. Politiker aus Großbritannien und Estland hatten darin eine Gefahr der „Verbreitung prorussischer Narrative“ gesehen und ein Verbot der Serie gefordert.
Mehr zum Thema – Russische Animationsserie „Mascha und der Bär“ bei Vorschulkindern weltweit am populärsten