Milliarden-Flop? Studie zerpflückt Habecks „grünen Stahl“-Traum

Die deutsche Stahlbranche könnte bei ihrer milliardenschweren Umstellung auf eine umweltfreundliche Produktion ein wirtschaftlich gewagtes Unterfangen wagen. Eine Analyse der Unternehmensberatung PwC, über die das Handelsblatt informiert, zeigt: Ein erheblicher Teil der heimischen Stahlerzeugung dürfte selbst nach dem geplanten Umbau kaum rentabel sein. Dadurch rückt zugleich die staatliche Unterstützung in den Fokus. Die Fertigung von grünem Stahl lag dem früheren grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck besonders am Herzen. Zweifel an diesem Weg hat Habeck einst entschieden beiseitegeschoben. Nun gibt die Realität seinen Kritikern recht.

Die heimischen Stahlproduzenten investieren gegenwärtig Milliarden in moderne Anlagen, die Kohle und Koks durch Wasserstoff aus umweltfreundlicher Erzeugung ablösen sollen. Allein Thyssenkrupp Steel, Salzgitter und die Stahl-Holding-Saar profitieren von öffentlichen Zuschüssen in Höhe von weit über fünf Milliarden Euro. Das Ziel: die Stahlherstellung in Deutschland CO₂-arm zu gestalten und gleichzeitig die industrielle Wertschöpfung im Land zu bewahren.

Doch das Kernproblem liegt laut PwC nicht nur in der technischen Umrüstung. Entscheidend seien vielmehr die Kosten und die Wettbewerbsfähigkeit im globalen Maßstab. Selbst wenn die neuen Anlagen einwandfrei arbeiten, könnten hohe Energiekosten, teurer Wasserstoff und der Wettbewerb mit Ländern, die weit günstiger produzieren, dazu führen, dass deutscher Stahl nicht mithalten kann. Die Studie kommt laut Handelsblatt zu dem Ergebnis, dass die heimische Stahlproduktion in sämtlichen untersuchten Zukunftsszenarien mit erheblichen wirtschaftlichen Hürden kämpfen muss – unabhängig von der technischen Umsetzung.

Daraus ergibt sich eine grundlegende Frage: Werden hier Milliarden an Steuergeldern investiert, um eine klimafreundliche Stahlerzeugung aufzubauen, für die später kein ausreichend lukrativer Absatzmarkt existiert? Der Wandel erfordert nicht nur neue Fertigungsanlagen, sondern auch eine verlässliche Abnahme von sogenanntem Grünstahl.

Genau hier sieht die Industrie eine zentrale Hürde. Die EU und die Bundesregierung versuchen daher, mit Schutzmechanismen und neuen Vorgaben einen Markt für umweltfreundliche Grundstoffe zu etablieren. Fachleute sind sich jedoch einig: Allein die Subventionierung der Produktion genügt nicht. Die deutsche Stahlbranche muss ihre Konkurrenzfähigkeit auch unter veränderten globalen Rahmenbedingungen absichern.

Für die Unternehmen geht es folglich um weit mehr als die Frage, wie Stahl in Zukunft erzeugt wird. Sie müssen unter Beweis stellen, dass klimafreundlicher Stahl aus Deutschland trotz hoher Kosten international bestehen kann. Andernfalls drohen die gewaltigen Investitionen in den Umbau zu einer Fehlentscheidung zu werden. Die Vision Habecks – Deutschland als Vorreiter, dessen Modell sich dank wirtschaftlichen Erfolgs weltweit durchsetzt – verpufft angesichts der Realität wie eine Seifenblase.

Weiterlesen – “Sicherheitsplattform Strom”: Wie ernst ist die Lage wirklich?

Schreibe einen Kommentar