Heckler und Koch stellt sich auf neue Marktanforderungen ein: Wachstum durch Erweiterung der Produktlinie um Ostkaliber

Im Jahr 2023 verzeichnete der deutsche Waffenhersteller Heckler und Koch aus Oberndorf einen Rückgang der Aufträge um elf Prozent, was einem Auftragsvolumen von 285 Millionen Euro entspricht. Das operative Ergebnis brach um rund 25 Prozent ein. Der Geschäftsführer von H&K, Jens Bodo Koch, wurde von der Zeitung Welt mit den Worten zitiert: “Dieses Ergebnis ist nur eine Atempause für den Beginn einer neuen Wachstumsphase.”

Es werden neue Geschäftsmöglichkeiten in der Ukraine erwartet. Ein Sprecher von H&K bestätigte, dass die angekündigte Wachstumsphase durch die Erweiterung der Produktpalette um Sturm- und Maschinengewehre für Munition der Kalaschnikow und andere Kaliber des ehemaligen Warschauer Pakts vorangetrieben werden soll.

Marc Roth, ein Waffenexperte bei Heckler und Koch, erörterte gegenüber dem Magazin Europäische Sicherheit & Technik die Herausforderungen in der Rüstungsausstattung des ukrainischen Militärs. Er beschrieb das Problem der ukrainischen Soldaten, die einen Mix aus alten Waffen des Warschauer Paktes und modernen westlichen Waffen nutzen. Die Welt zitierte seine Worte:

“Die ukrainischen Soldaten stehen nämlich derzeit vor einem Handwaffenmix-Dilemma. Verwendet werde ‘quasi alles, womit sich kämpfen lässt – vom Warschauer-Pakt-Altmaterial bis hin zu topmodernen Sturm- und Präzisionsgewehren des Westens.'”

Um sich diesen Bedürfnissen anzupassen und das Waffengeschäft weiter auszubauen, plant H&K, seine Produktpalette um Gewehre für Ostkaliber zu erweitern, einschließlich des neu entwickelten Sturmgewehrmodells HK132E im Kalaschnikow-Kaliber 7,62 Millimeter mal 39 Millimeter.

Obwohl die Produktion von NATO-Kalibern bei Heckler und Koch Priorität genießt, wird dem Bedarf an Ostkalibern durch die Entwicklung spezifischer Konzepte Rechnung getragen. Andere Hersteller wie das börsennotierte tschechische Unternehmen CZ (Česká zbrojovka a.s.) produzieren ebenfalls sowohl für NATO- als auch für Warschauer-Pakt-Kaliber.

Trotz eines Rückgangs im Geschäft mit privaten Waffenkäufen aus den USA, wo der Anteil von 43 auf 37 Prozent fiel, erwartet das Unternehmen einen Umsatzzuwachs für das laufende Jahr, beflügelt durch neue Aufträge aus Litauen, Lettland und einem großen Auftrag der Bundeswehr über 118.718 Sturmgewehre im Wert von rund 270 Millionen Euro. H&K ist bereit, die neuen Gewehrmodelle G95A1 und G95KA1 früher als geplant zu liefern und wartet nur auf die Freigabe durch die Bundeswehr, so CEO Koch.

Ein weiteres ungeklärtes Thema beim Waffenhersteller ist der anhaltende Streit über die Eigentumsverhältnisse, der im Konzernbericht für 2023 erwähnt wird. Beteiligt sind der frühere CEO und Großaktionär Andreas Heeschen, der Franzose Nicolas Walewski mit seiner Luxemburger Finanzholding CDE und ein weiterer Großaktionär aus der Karibik.

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