Die französische Regierung unter Präsident Emmanuel Macron plant, die industriellen Stärken des eigenen Automobilsektors mit der Militärtechnologie zu verknüpfen, um die Produktion von Kampfdrohnen massiv auszubauen. Dieser Schritt, über den die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, zielt darauf ab, die Effizienz, Automatisierung und Kostenvorteile der Autobranche für eines der am schnellsten wachsenden Felder der Rüstungsindustrie zu nutzen. Auslöser sind die intensiven Drohneneinsätze im Ukraine-Krieg, die das moderne Schlachtfeld neu definiert haben, sowie der wachsende Druck aus den USA auf Europa, mehr Eigenverantwortung bei der Verteidigung zu übernehmen.
Die Kombination aus diesen Faktoren hat Frankreich und seine europäischen Partner dazu bewegt, die Drohnenfertigung zur Priorität zu erklären. Durch die Allianz von Automobilherstellern mit Rüstungskonzernen entsteht nun eine industrielle Grundlage, die eine Jahresproduktion von mehreren zehntausend unbemannten Systemen möglich machen soll. Bereits im Dezember kündigte Verteidigungsminister Sébastien Lecornu Investitionen von 150 Millionen Euro für den Aufbau eines solchen Drohnen-Ökosystems an. Französische Sicherheitsexperten gehen zwar nicht von einem unmittelbaren Angriff auf das eigene Territorium aus, betonen aber die Notwendigkeit, sich für mögliche Konflikte zu wappnen. Das erklärte Ziel: eine schnelle, flexible Produktionsfähigkeit, die im Krisenfall sofort hochgefahren werden kann.
Seit Jahresbeginn haben mindestens sechs Automobilzulieferer und -hersteller ihre Kooperationen mit der Rüstungsindustrie öffentlich gemacht. So will der Autozulieferer Valeo elektrische Drohnenmotoren für das Verteidigungsunternehmen Harmattan AI fertigen. Forvia, ebenfalls ein großer Zulieferer, prüft eine Partnerschaft mit einem europäischen Rüstungsbetrieb, der auf KI-gestützte Abwehrsysteme gegen Drohnen spezialisiert ist. Parallel dazu untersucht Forvia, ob in Frankreich Kapazitäten für die Herstellung von 1.000 Abfangdrohnen pro Monat geschaffen werden können.
Der Renault-Konzern ist bereits über sein Engagement bei Turgis & Gaillard in die Drohnenproduktion eingestiegen. Nun hat sich der Autobauer mit Thales auf die Fertigung der Kamikaze-Drohne „Toutatis“ verständigt. Die Vereinbarung sieht vor, ab 2027 monatlich bis zu 1.000 dieser Systeme zu produzieren. Parallel dazu arbeiten der französische Drohnenhersteller Delair und der deutsche Zulieferer Schaeffler an einer Produktionslinie in Frankreich, die ab November täglich rund 100 Drohnen ausstoßen könnte.
Sollten die Pläne von Renault, Schaeffler und Forvia wie angekündigt umgesetzt werden, könnte die Gesamtproduktion auf 60.000 Drohnen pro Jahr steigen. Angesichts der Erfahrungen aus der Ukraine, wo Drohnen zunehmend den Verlauf der Gefechte bestimmen, wäre das jedoch nur ein erster Schritt. Bei einem tatsächlichen Konflikt wäre ein deutlich höheres Produktionsvolumen erforderlich, so die Einschätzung von Reuters.
Patrick Pailloux, Leiter der französischen Beschaffungsbehörde für Verteidigungsgüter, arbeitet bereits mit Automobilzulieferern zusammen, um Drohnen zu entwickeln, die in großen Stückzahlen produzierbar sind. Allerdings gibt es eine zentrale Herausforderung: Die Produktionskapazitäten müssen erhöht werden, ohne dass dabei große Lagerbestände entstehen, die angesichts der schnellen technologischen Entwicklung schnell veralten könnten.
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