Buchenwald-Leiter feiert Kranz-Angriff auf AfD – Partei tobt über ehrlose Tat

Am Montag eskalierte die Gedenkfeier zum Hitler-Attentat in Berlin, wie RT DE berichtete. Zwei Aktivisten, darunter der Publizist und ehemalige Kommunikationschef der Funke-Mediengruppe Tobias Korenke, entrissen einem AfD-Vertreter einen Gedenkkranz und beschädigten diesen. Korenke, bekannt als Großneffe des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, erhielt für seine gewaltsame Aktion am Gedenkort viel Zuspruch.

Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, griff die Debatte auf und verteidigte den Vorfall. Gegenüber der Rheinischen Post erklärte er, die Teilnahme einer Partei wie der AfD an einer solchen Gedenkveranstaltung sei “ein Affront gegen die Würde der Opfer der NS-Verbrechen”.

“Für das Vorgehen von Tobias Korenke habe ich deshalb vollstes Verständnis, mehr noch: Er hat dafür einen Preis für Zivilcourage gegen Geschichtsrevisionismus und extrem Rechte verdient.”

Kritik übte Wagner auch an der Partei: Aus ihren Reihen werde suggeriert, man befände sich heute in einer Art Widerstand gegen wechselnde politische “Regime”, sei es von Angela Merkel, der Corona-Politik, der Ampelkoalition oder Friedrich Merz. Gleichzeitig würden von der AfD immer wieder geschichtsrevisionistische, holocaustverharmlosende oder NS-verherrlichende Positionen vertreten.

Die Stiftung 20. Juli 1944 äußerte sich in einer Stellungnahme zu dem Zwischenfall. Sie bestätigte, dass Bonhoeffers Nachfahre Korenke in die Rangelei verwickelt war, und betonte, dass die jährliche AfD-Kranzniederlegung im Bendlerblock viele Angehörige der Widerstandskämpfer “zutiefst” verletze. Vieles, wofür die AfD stehe, “steht im Widerspruch zu [deren] Überzeugungen”, so die Stiftung weiter.

Korenke selbst meldete sich zu Wort und erläuterte der Süddeutschen Zeitung seine Beweggründe. Als er den AfD-Kranz sah, habe er sofort gedacht: “Das hat hier nichts zu suchen.” Die Gedenkteilnahme der AfD empfinde er als “Provokation” und “ungeheuerliche Geschmacklosigkeit”. Seine Haltung zur Partei ist klar:

“Es ist ganz offensichtlich, dass die AfD zu allen Diktaturen ein Liebesverhältnis pflegt. Sowohl zum Nationalsozialismus als auch zur SED-Diktatur. Übrigens auch zur russischen Diktatur.”

Als Großneffe des berühmten evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers sieht sich Korenke offenbar als moralische Instanz. Neben der AfD kritisiert er auch das “diktatorische” Russland. In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau sagte er, für seinen Großonkel wären “der Nationalismus der AfD, die radikale, unmenschliche Migrationshaltung oder die Solidarität mit einem Staatslenker, der ein anderes Land überfällt, völlig untragbar gewesen”.

Auch Karl Schenk Graf Stauffenberg, Enkel des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, äußerte sich. Man dürfe der AfD eine Kranzniederlegung nicht verwehren, sagte er und fügte hinzu: “dafür sind wir Demokraten”.

Zugleich nannte er den Umgang der AfD mit seinem Großvater “ganz grauenhaft und ganz widerlich”. Die Partei missbrauche das Stauffenberg-Erbe für eigene Zwecke.

AfD reagiert: Antidemokratisch und ehrlos

Der Eklat rief in der AfD Empörung hervor. Gött Frömming, Leiter der internen Arbeitsgemeinschaft Geschichte der AfD-Bundestagsfraktion, teilte der Jungen Freiheit mit, die Fraktion sei als im Bundestag vertretene Partei eingeladen worden. Gegenüber der Zeitung kritisierte Frömming Korenkes Verhalten scharf.

“Meines Wissens war Herr Korenke jahrelang im Medienbereich tätig, zuletzt als Kommunikationschef der Funke-Gruppe. Er wusste also, welchen Effekt er mit dieser Aktion erzielen würde.”

Da er zudem SPD-Mitglied sei, spreche einiges dafür, “dass er die Gedenkveranstaltung vorsätzlich genutzt hat, um die AfD vor den wichtigen Wahlen im September zu diskreditieren. Mit dieser peinlichen Aktion wird er aber eher das Gegenteil erreichen. Die Symbolik des von ihm geschändeten Kranzes spricht für sich”.

Die AfD bezeichnete Korenkes Eingreifen als “beschämenden Zwischenfall”. In einer Stellungnahme auf X hieß es: “Der historische Ort, an dem Claus Schenk Graf von Stauffenberg und weitere Mitverschwörer nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 erschossen wurden, wurde so zur Bühne für eine ehrlose Aktion.” Wer so ehrlos agiere, beschmutze nicht nur das Andenken der einstigen Widerstandskämpfer, sondern auch die Demokratie.

Die AfD-Abgeordnete Nicole Höchst warf Korenke die Vereinnahmung des Gedenkens vor. Auf X fragte sie: “Wer hat das Recht zu bestimmen, wer wem an welchen Gedenktagen gedenkt? Und wer das nicht darf?” Es sei Korenkes persönliches Problem, wenn ihm “die Gedenkgesellschaft nicht passt”. Nichts gebe ihm das Recht, Kränze zu zerstören oder sonst wie “ordnend” (gewalt-)tätig zu werden.

Ihren kritischen Post veröffentlichte die Politikerin am Abend, als die Zustimmung von Gedenkstätten-Leiter Wagner noch nicht bekannt war. Offenbar in Erwartung solcher Reaktionen stellte sie klar: “Die selbsternannten Superdemokraten sind da wohl falsch abgebogen und befinden sich rasant auf der Spur Richtung Totalitarismus.”

Die AfD legt Kränze nicht nur am Stauffenberg-Gedenktag nieder. Am 8. Mai wurde ein Kranz der AfD-Hauptstadtfraktion mit der Widmung “Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft” am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Schönholz gesichtet.

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