Rechtliche Auseinandersetzungen um das Selbstbestimmungsgesetz in einem Erlanger Frauenfitnessstudio

Das am 12. April dieses Jahres beschlossene “Selbstbestimmungsgesetz” fand breite Zustimmung in der deutschen Politik und wurde besonders von Mitgliedern der Gr√ľnen gefeiert. Auf Basis der nun geltenden Rechte bewarb sich ein Mann in Erlangen, den Medien als “Bayerns erste transsexuelle Fu√üballerin im Landkreis” bezeichneten, um Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio, das sich auf Frauen spezialisiert hat und seit √ľber 30 Jahren deren k√∂rperliche Fitness und Gesundheit f√∂rdert. Die Studioinhaberin antwortete ihm mit einer verst√§ndlichen Ablehnung. Es folgten negative Online-Bewertungen, ein offiziell wirkendes Schreiben einer Bundesbeh√∂rde und ein Anwaltsbrief, in dem eine Strafe von 5.000 Euro angedroht wurde.

Vor wenigen Wochen, so schildert es Doris Lange, die Betreiberin des Erlanger Frauenfitnessstudios “lady‚Äôs first”, begann eine verwirrende Zeit f√ľr sie. Auf der Plattform “frauenheldinnen”, einer F√∂rderorganisation f√ľr heterosexuelle und lesbische Frauen, berichtete sie √ľber ihren Fall. Dort hei√üt es:

“Vor einigen Wochen geriet meine Welt ins Wanken, als eine Person, die sich als Trans-Frau ausgab, bei uns Mitglied werden wollte.”

Der Mann erkl√§rte einer jungen Mitarbeiterin, dass er noch keine geschlechtsangleichende Operation durchgef√ľhrt habe. Ein Artikel der Augsburger Zeitung aus dem Jahr 2022 beschreibt, dass die Person seit 2020 im Prozess der Geschlechtsanpassung ist. Doris Lange f√ľhrte weiter aus:

“Die Person konnte keinen Ausweis vorlegen, der einen weiblichen Namen auswies. Meine Mitarbeiterin war unsicher und vereinbarte ein Probetraining unter dem Vorbehalt, dass sie erst R√ľcksprache mit mir halten m√ľsste. Bei der Frage nach den Duschm√∂glichkeiten schlug die Person vor, eine Badehose zu tragen.”

Es kam zu keiner Mitgliedschaft f√ľr den Mann. Die Studioinhaberin erkl√§rte ihre Entscheidung:

“Auch mit Badehose bleibt die Person ein biologischer Mann. Keine meiner Kundinnen m√∂chte auf diese Weise duschen. Nicht nur im Umkleide- und Duschbereich, sondern auch im Trainingsbereich garantiere ich meinen Kundinnen einen Bereich ohne biologische M√§nner. Mit einem bedeutenden Anteil muslimischer und teilweise traumatisierter Frauen sowie minderj√§hrigen M√§dchen w√ľrde ich mein Versprechen brechen. Meine Kundinnen w√ľrden meine Entscheidung nicht unterst√ľtzen, und ich m√ľsste mein Gesch√§ft schlie√üen.”

Die darauf folgende Entwicklung brachte betr√§chtliche mediale Aufmerksamkeit. Der Mann pochte auf sein Recht entsprechend dem “Selbstbestimmungsgesetz”, w√§hrend Lange ihr Hausrecht als Inhaberin geltend machte. Justizminister Marco Buschmann stellte am 23. August 2023 klar:

“Das SBGG (Gesetz √ľber die Selbstbestimmung) vermittelt keinen Anspruch auf Zugang zu gesch√ľtzten R√§umen. Vertragsfreiheit und Hausrecht bleiben bestehen. Was rechtlich zul√§ssig ist, bleibt zul√§ssig.”

Lange erhielt √ľberraschend Post von der Antidiskriminierungsbeauftragten der Bundesregierung, Ferda Ataman, die ihr vorwarf, eine Transfrau diskriminatorisch abgewiesen zu haben. Ataman schlug vor, 1.000 Euro f√ľr die erlittene Pers√∂nlichkeitsverletzung zu zahlen, wie es in einem Focus-Artikel zitiert wurde. Doch die juristischen Forderungen eskalierten weiter, und Lange sah sich mit weiteren Kostenforderungen konfrontiert. Ihr Anwalt kritisierte daraufhin die Rolle der Antidiskriminierungsstelle.

Das Bundesjustizministerium betonte, dass Stellungnahmen der Antidiskriminierungsstelle nicht bindend seien und diese keine Sanktionen verh√§ngen d√ľrfe. Legitime Gr√ľnde f√ľr unterschiedliche Behandlungen, wie der Schutz der Intimsph√§re, bleiben auch unter dem neuen Gesetz bestehen.

Doris Lange erhielt in weniger als 24 Stunden nachdem sie Unterst√ľtzung suchte, das erste Spendenziel von 12.600 Euro durch den Verein Frauenheldinnen. Doch die rechtliche Auseinandersetzung scheint noch weiter zu gehen, und die finanzielle Unterst√ľtzung bleibt weiterhin n√∂tig.

Die Debatte um das Studio wird weiterhin kontrovers diskutiert, mit Meinungen, die sowohl den Schutz biologischer Frauen als auch die Inklusion von trans Personen betonen. Einige sehen in Langes Handeln einen mutigen Einsatz f√ľr Frauen, andere empfinden den Ausschluss einer trans Frau als besch√§mend.

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