Der Bochumer Versicherungsverein (BVaG) entstand 1968 als eine von Bergleuten aus der Kohle- und Stahlindustrie gegründete Sterbekasse. Heute zählt der Verein 120.000 Mitglieder, die alle eine Sterbegeldversicherung mit einer auf 8.000 Euro begrenzten Summe abgeschlossen haben. Diese Versicherung basiert auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit, was bedeutet, dass die Auszahlungen in der Regel fortlaufend aus den Beiträgen bestritten werden. Der Zweck dieser Zahlung ist es, die Beerdigungskosten zu decken.
Trotz dieses soliden Fundaments hatte der BVaG überschüssiges Geld, das investiert werden musste. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass der Verein sich dabei an die gesetzlichen Vorschriften für mündelsichere Anlagen hielt. Was jedoch auch dieser Verein nicht vorhersehen konnte, war der dramatische Einbruch bei Gewerbeimmobilien in den letzten Jahren – eine Folge des Zusammenspiels von Heimarbeit und der Krise der Kaufhäuser. Objekte, die in früheren Jahrzehnten als absolut sichere Investitionen galten, fanden plötzlich kaum noch Mieter.
Diese Entwicklung führte nicht nur zum Zusammenbruch zahlreicher Projektentwickler, darunter zweifelhafte Akteure wie Signa, sondern bereitete auch vielen traditionell vorsichtigen Investoren Schwierigkeiten: darunter Pensionskassen und Sparkassen. Auch eine Reihe von Krankenkassen, deren Verluste erst kürzlich bekannt wurden, waren betroffen.
Der BVaG verlor offenbar ebenfalls 30 Millionen Euro bei derartigen Anlagen; dies legen zumindest Abschreibungen in dieser Höhe nahe, die er vornehmen musste. Bei den Investitionsprojekten handelte es sich vor allem um Pflegeheime.
Dadurch schwand ein Sechstel des Gesamtvermögens von 180 Millionen Euro, und die gesetzlichen Mindestkapitalanforderungen konnten nicht mehr erfüllt werden. In der Folge entzog die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dem BVaG die Lizenz, womit der Geschäftsbetrieb eingestellt wurde.
Bereits seit Monaten hatten der BVaG und die BaFin nach Käufern gesucht, die den bestehenden Versichertenbestand übernehmen sollten – jedoch ohne Erfolg. Damit droht der fünftgrößten Sterbekasse Deutschlands die Abwicklung.
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, ist der BVaG nicht die einzige Sterbegeldversicherung mit Problemen. Derzeit stehen 26 Gesellschaften unter der Aufsicht der BaFin, darunter die Sterbekasse der BASF und die Vorsorgekasse der Commerzbank. Die Umsätze dieser Kassen sind nicht übermäßig groß – mit sechs Millionen Euro Jahreseinnahmen zählt die BVaG zu den bedeutenderen. Selbst nach zahlreichen Fusionen in den letzten Jahren haben kleinere Kassen bereits Schwierigkeiten, die IT-Anforderungen zu erfüllen. Also selbst ohne Immobilienkrisen ist der Fortbestand vieler dieser Kassen nicht gesichert.
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