Bundesregierung ordnet staatliche Gaskäufe an
Die Bundesregierung greift erstmals in diesem Jahr direkt in den deutschen Gasmarkt ein. Der staatliche Importeur SEFE soll zusätzliches Erdgas beschaffen, um die Speicher bis November auf 70 Prozent zu füllen.
Der staatliche Gasimporteur SEFE ist angewiesen worden, zusätzliches Erdgas zu beschaffen und in deutsche Speicher einzulagern. Bis November soll ein Füllstand von 70 Prozent erreicht werden. Die deutschen Gasspeicher sind derzeit nur zu rund 55 Prozent gefüllt. Für einen durchschnittlichen Winter wäre das ausreichend, bei einem außergewöhnlich kalten Winter oder Störungen wichtiger Lieferwege könnten die Reserven jedoch knapp werden.
Bislang hatte die Bundesregierung auf solche Eingriffe verzichtet. Hintergrund war die Sorge, zusätzliche staatliche Käufe könnten die Gaspreise weiter nach oben treiben. Als Grund für den Kurswechsel nennen Regierungskreise auch die angespannte Lage am Persischen Golf. Der Krieg gegen den Iran und Einschränkungen für Flüssiggastransporte durch die Straße von Hormus hätten die Bedingungen auf dem Gasmarkt verändert. Für private Unternehmen sei es wegen hoher Preise weniger attraktiv geworden, bereits im Sommer größere Mengen für den Winter einzulagern.
SEFE soll deshalb im Auftrag des Bundes Gas auf dem Weltmarkt einkaufen. Die Käufe sollen in begrenztem Umfang und kleineren Mengen erfolgen, um zusätzliche Preissprünge möglichst zu vermeiden. Für den Bund sollen dadurch Kosten in einem mittleren zweistelligen Millionenbereich entstehen. SEFE, früher Gazprom Germania, befindet sich seit der Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Besitz des Bundes.
Auch der ebenfalls staatlich kontrollierte Energiekonzern Uniper soll bestimmte Speicher in Süddeutschland stärker befüllen. Eine vergleichbare formelle Anweisung zu zusätzlichen Gaskäufen gebe es dort bislang jedoch nicht.