Neue Skulptur auf Londons Trafalgar Square erneut umstritten
Die Enthüllung der Bronzestatue „Lady in Blue“ auf dem vierten Sockel des Trafalgar Square hat eine Debatte über die Bedeutung des Platzes und des britischen Kolonialismus ausgelöst. Das Kunstwerk einer jungen Schwarzen Frau soll …
Am 10. September wurde auf dem Londoner Trafalgar Square die etwa 3,5 Meter hohe Bronzestatue „Lady in Blue“ enthüllt. Die Darstellung einer selbstbewussten jungen schwarzen Frau in blauem Kleid und hochhackigen Schuhen soll nach Angaben der Initiatoren das moderne London repräsentieren und der demografischen Realität des multikulturellen England Rechnung tragen.
Die Statue steht auf dem sogenannten vierten Sockel, der seit 1999 wechselnden zeitgenössischen Kunstwerken vorbehalten ist. Alle zwei Jahre wird das dort gezeigte Objekt ausgetauscht. Zuvor befand sich auf dem Sockel ein Kunstwerk, das den malawischen Antikolonialisten John Chilembwe darstellte.
Der Trafalgar Square gilt als einer der bedeutendsten Orte der britischen Geschichtserinnerung. Das zentrale Monument ist die über fünf Meter hohe Statue von Admiral Horatio Nelson auf einer 46 Meter hohen Granitsäule. Sie erinnert an die Schlacht von Trafalgar im Jahr 1805, in der die britische Flotte unter Nelsons Führung die französisch-spanische Flotte vernichtete. Nelson fiel in der Schlacht. Der Sieg sicherte Großbritannien die Vorherrschaft auf den Weltmeeren und legte den Grundstein für die Ausdehnung des britischen Empire.
Historische Daten belegen, dass das britische Parlament 1807 den Sklavenhandel verbot. Von 1808 bis 1867 befreite die Royal Navy nach eigenen Angaben etwa 150.000 versklavte Afrikaner. Das Westafrika-Geschwader setzte das Verbot mit militärischen Mitteln durch, darunter Seeblockaden und Schiffsbeschlagnahmungen. Auch in anderen Regionen wie dem Indischen Ozean, dem Roten Meer, dem Persischen Golf, Brasilien und der Karibik wurde das Verbot durchgesetzt. Mit dem Indian Slavery Act von 1843 wurde der Sklavenhandel in Britisch-Indien schrittweise illegalisiert.
Der vierte Sockel wurde ursprünglich 1841 für eine Reiterstatue von Wilhelm IV. errichtet, die jedoch nie realisiert wurde. Seit 1999 dient er als Plattform für zeitgenössische Kunst. Die aktuelle Skulptur der Künstlerin Thomas J. Price wird für zwei Jahre auf dem Platz verbleiben, bevor eine neue Arbeit folgt.