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Eine außergewöhnliche Trockenperiode setzt dem Bodensee in diesem Sommer massiv zu. Ausbleibende Regenfälle, anhaltende Hitze und ein Winter mit wenig Schnee ließen den Wasserspiegel auf einen für die Jahreszeit historischen Tiefstand fallen – ein Novum seit Beginn der Aufzeichnungen.
Am Pegel Konstanz wurden Anfang Juli Werte zwischen 318 und 321 Zentimetern gemessen. Dies bedeutet den niedrigsten Stand, der jemals an diesem Kalendertag seit dem Jahr 1850 verzeichnet wurde. Damit wurde sogar der bisherige Rekord aus dem Dürresommer 1976 gebrochen. Seitdem sank der Wasserstand kontinuierlich weiter und lag am 25. Juli bei etwa 299 bis 300 Zentimetern – rund 125 Zentimeter unter dem langjährigen Durchschnitt.
Die Auswirkungen des niedrigen Wasserpegels sind besonders am Untersee deutlich sichtbar. Mehrere Boote liegen an Uferabschnitten im Trockenen, Stege enden abrupt über freigelegtem Seegrund, und Badende müssen deutlich weiter laufen, um ins Wasser zu gelangen.
Vor der Insel Reichenau liegt der Boden stellenweise offen zutage. Auch der Schiffsverkehr ist betroffen. Die Anlegestelle Mannenbach auf der Schweizer Seite war zeitweise nicht anfahrbar. Solange der Pegel nicht deutlich unter die 300-Zentimeter-Marke fällt, halten sich die Einschränkungen bisher jedoch in Grenzen.
Die Ursachen für die angespannte Lage reichen weit zurück. Der Winter 2025/26 brachte den Alpen und dem Alpennordhang deutlich weniger Schnee und Regen als üblich. Die Schneeschmelze, die normalerweise den Alpenrhein und damit den Bodensee im Frühjahr und Frühsommer speist, blieb weitgehend aus.
Im Mai und Juni fielen zudem weit unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen in der Region. Hohe Temperaturen und eine verstärkte Verdunstung verschärften den Rückgang zusätzlich. Die Zuflüsse liegen derzeit teilweise 70 Prozent oder mehr unter dem langjährigen Durchschnitt.
Trockengefallene Uferzonen verändern die Lebensräume von Fischen und Wasservögeln. Gleichzeitig steigt der Trinkwasserverbrauch während der Hitzeperioden spürbar an. Die Versorger geben jedoch Entwarnung: Die Trinkwasserversorgung für Millionen Menschen in Baden-Württemberg und der Ostschweiz ist nicht gefährdet, da das Wasser aus rund 60 Metern Tiefe entnommen wird und die Entnahmemengen nur einen kleinen Teil der natürlichen Zuflüsse ausmachen.
Hydrologen betonen, dass einzelne Regenfälle den Wasserstand kurzfristig stabilisieren könnten. Für eine nachhaltige Erholung des Pegels wären jedoch flächendeckende Niederschläge im gesamten Einzugsgebiet notwendig.
Solange diese ausbleiben, wird der Wasserstand voraussichtlich weiterhin unter den üblichen Werten liegen. Der Bodensee folgt zwar seinem natürlichen Jahresrhythmus, wobei die tiefsten Stände normalerweise im Winter auftreten. Doch die ungewöhnliche Kombination aus Schneemangel, Trockenheit und Hitze hat den Sommerpegel in diesem Jahr auf ein seltenes Extrem gebracht.
Als einer der wichtigsten Wasserspeicher Mitteleuropas zeigt der See damit, wie empfindlich sein System auf die Häufung solcher Bedingungen reagiert. Ob sich die Lage in den kommenden Wochen entspannt, hängt vor allem vom Wetter in den Alpen und im gesamten Einzugsgebiet ab.
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