Deutschland baut neue Gaskraftwerke und die Strompreise explodieren

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Kaum hat der Bundeshaushalt die Netzentgelte bezuschusst und damit die Strompreise für Haushalte und Unternehmen leicht gesenkt, droht bereits die nächste Belastung. Deutsche Verbraucher müssen sich auf erneute Preissteigerungen bei Strom einstellen. Schuld sind nicht nur geopolitische Risiken wie ein möglicher Iran-Krieg oder die Sperrung der Straße von Hormus – ein erheblicher Teil der Verteuerung ist politisch selbst verschuldet.

Die Verantwortung dafür trägt die Regierung Merz. In ihrer Sitzung am vergangenen Mittwoch genehmigte das Bundeskabinett den Bau neuer Gaskraftwerke. Die Ministerrunde hält diesen Neubau für unverzichtbar, um die Auswirkungen von Energiewende und Kohleausstieg abzufedern. Denn die Umstellung auf erneuerbare Energien birgt ein Risiko: In Zeiten einer sogenannten Dunkelflaute – also an trüben Wintertagen, wenn gleichzeitig Windstille herrscht – liefern Photovoltaikanlagen und Windräder nicht genügend Strom.

Das Land braucht daher eine alternative Energiequelle als Reserve für Notfälle. Genau hier kommen die geplanten Gaskraftwerke ins Spiel. Sie sollen bis 2031 fertiggestellt sein und dann helfen, eine Lücke in der Stromversorgung zu schließen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte bei der Vorstellung des entsprechenden Gesetzentwurfs: „Erneuerbare Energien brauchen eine Lebensversicherung – und die heißt gesicherte Leistung.“

Es handelt sich um moderne Gaskraftwerke, die auch mit Wasserstoff betrieben werden können („H2-ready“) und ab 2045 vollständig treibhausgasneutral arbeiten sollen. Die Ausschreibungen sind über mehrere Jahre hinweg geplant und sollen bereits im Sommer 2026 starten, vorausgesetzt das Gesetz passiert den Bundestag. Insgesamt ist eine Leistung von zwölf Gigawatt vorgesehen.

Eine Bedingung des Vergabeverfahrens ist, dass der Großteil der Anlagen mindestens zehn Stunden lang ununterbrochen Strom liefern kann, um Versorgungslücken zu vermeiden. Die Betreiber erhalten im Rahmen eines „Kapazitätsmarktes“ eine Vergütung dafür, dass sie die entsprechenden Kapazitäten bereithalten – auch wenn ihr Strom gerade nicht benötigt wird.

Der Gesetzentwurf enthält zudem einen sogenannten „Südbonus“. Damit möchte das Bundeskabinett erreichen, dass die neuen Gaskraftwerke vorwiegend im Süden Deutschlands gebaut werden – also in Bundesländern, in denen aufgrund geringeren Windaufkommens die Gefahr einer Dunkelflaute besonders hoch ist und gleichzeitig die Bevölkerungsdichte groß ist.

Dort kommt es laut Fraunhofer-Institut häufig zu Redispatch-Maßnahmen, also Eingriffen der Netzbetreiber in die Stromproduktion aufgrund von Netzengpässen. Kraftwerke, die mit fossilen Energieträgern betrieben werden, müssen dann ungeplant höhere Leistungen erbringen.

Die Kosten für die Förderung des Baus neuer Gaskraftwerke und die Vergütung der Betreiber werden auf die Stromkunden umgelegt – über eine Stromumlage ab 2031. Der Kabinettsentwurf spricht von Gesamtkosten in Höhe von jährlich bis zu drei Milliarden Euro. Experten rechnen mit einer Verteuerung der Kilowattstunde Strom um bis zu 1,5 Cent. Zum Vergleich: Derzeit kostet die Kilowattstunde in Deutschland etwa 35 bis 40 Cent.

Eine Entlastung bei den ohnehin hohen Strompreisen im Ländervergleich ist daher nicht in Sicht. Hinzu kommt die Unsicherheit bei den Lieferketten. Während die EU weiterhin an ihrem Plan festhält, Gaslieferungen aus Russland ab 2027 zu verbieten, geraten Deutschland und Europa zunehmend in Abhängigkeit von US-amerikanischem LNG-Gas. Der Gesetzentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium könnte somit zu einer Rechnung mit vielen Unwägbarkeiten werden.

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