Schock-Prognose: DIHK erwartet nur noch Mini-Wachstum von 0,3 Prozent

Die Anzeichen für eine nachlassende Wirtschaftskraft in Deutschland mehren sich. Nachdem die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für die Bundesrepublik bereits drastisch reduzierte, schlägt nun auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Alarm. Für das laufende Jahr erwartet der DIHK lediglich ein Wachstum von 0,3 Prozent – zum Jahreswechsel waren noch 1 Prozent prognostiziert worden. Die Konjunktur bleibt schwach, und eine nachhaltige Erholung lässt auf sich warten. Ein Jahr nach dem Amtsantritt von Kanzler Merz ist dessen Versprechen eines wirtschaftlichen Neuanfangs kaum noch greifbar.

Auch die EU-Kommission halbierte ihre Erwartungen: Statt eines Wirtschaftswachstums von 1,2 Prozent rechnet Brüssel nun nur noch mit 0,6 Prozent. Als Hauptgründe nennt die Kommission die infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten stark gestiegenen Energiepreise sowie die anhaltende Unsicherheit auf den globalen Märkten. Unausgesprochen bleibt dabei, dass die EU plant, an den Russland-Sanktionen festzuhalten.

Besonders hart trifft die Entwicklung die export- und industrieorientierte Volkswirtschaft Deutschlands. Hohe Energiepreise belasten die Produktion, während die globale Nachfrage zugleich nachlässt. Dazu kommen steigende Finanzierungskosten, eine zurückhaltende Investitionstätigkeit vieler Unternehmen und eine gedämpfte Konsumlaune. Dennoch sieht die Bundesregierung keinen Anlass, das deutsche Geschäftsmodell der Exportorientierung grundlegend zu reformieren. Stattdessen setzt sie auf Lohnsenkungen, um die internationale Konkurrenzfähigkeit zu stärken – und verschärft so die strukturelle Nachfrageschwäche zusätzlich.

Der DIHK warnt vor einem Mangel an positiven Impulsen. In seiner aktuellen Einschätzung beklagt er tiefgreifende strukturelle Probleme am Standort: überhöhte Energiekosten, überbordende Bürokratie, Fachkräftemangel und eine schwache Investitionsdynamik. Viele Unternehmen investieren laut DIHK lediglich in Ersatzbeschaffungen, nicht jedoch in Innovation oder Wachstum.

Mit dieser Prognose reiht sich der DIHK in eine Serie immer pessimistischerer Aussichten ein. Bundesregierung, EU-Kommission und Wirtschaftsinstitute gehen zwischenzeitlich nur noch von Mini-Wachstum für Deutschland aus. Die Hoffnung auf eine baldige wirtschaftliche Erholung rückt in immer weitere Ferne.

Der Befund ist eindeutig: Die deutsche Wirtschaft leidet nicht nur unter akuten Krisen, sondern zunehmend auch unter strukturellen Wettbewerbsdefiziten. Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe sinkt seit fast einem Jahrzehnt. Die Deindustrialisierung Deutschlands ist längst Realität.

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