EU-Kommission halbiert Prognose: Deutschland steht vor dem wirtschaftlichen Kollaps – „Deindustrialisierung ist real“

Die Europäische Kommission hat ihre Erwartungen für das deutsche Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 deutlich gesenkt. Statt der im Herbst prognostizierten 1,2 Prozent erwarten die Brüsseler Experten jetzt nur noch ein mageres Plus von 0,6 Prozent. Für 2027 wird ein Anstieg um 0,9 Prozent vorhergesagt. Grund für diese Anpassung sind vor allem die anhaltenden Auswirkungen des Iran-Kriegs, der die Energiepreise in die Höhe getrieben und die Konjunktur gedämpft hat.

Diese EU-Prognose reiht sich in eine Serie pessimistischer Einschätzungen ein. Die Bundesregierung hatte ihre Erwartungen bereits im April auf 0,5 Prozent halbiert, und das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet sogar nur mit 0,4 Prozent. Deutschland liegt damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt und droht, gegenüber der Entwicklung im Euroraum weiter zurückzufallen.

Produzierendes Gewerbe seit 2018 im Dauertief

Die aktuelle Schwäche ist keine vorübergehende Erscheinung, sondern Teil eines langfristigen Trends. Das Statistische Bundesamt meldete für März 2026 einen weiteren Rückgang der Produktion im Produzierenden Gewerbe um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat (saison- und kalenderbereinigt). Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Produktion um 2,8 Prozent. Die Industrieproduktion (ohne Energie und Bau) fiel sogar um 0,9 Prozent zum Vormonat und 4,1 Prozent zum Vorjahr.

Bereits seit mindestens 2018 zeigt der Produktionsindex des Produzierenden Gewerbes einen stetigen Abwärtstrend. Nach einem Höchststand um 2018 liegt die Produktion heute deutlich darunter – trotz vorübergehender Erholungsphasen nach der Corona-Pandemie. Energieintensive Branchen wie Chemie, Metallerzeugung oder Papierindustrie leiden besonders unter den hohen Energiepreisen, während der Maschinenbau und Teile der Automobilindustrie mit strukturellen Herausforderungen kämpfen.

Deindustrialisierung ist Längst eine deutsche Realität

Experten sehen darin ein klares Anzeichen für eine schleichende, aber kontinuierliche Deindustrialisierung. Der Rückgang der realen Produktion geht mit einem Abbau von Arbeitsplätzen in der Industrie einher. Seit 2019 sind hunderttausende Stellen im Verarbeitenden Gewerbe verloren gegangen, mit einer Beschleunigung in den letzten Jahren. Unternehmen verlagern ihre Produktion ins Ausland, Investitionen stocken, und die Wettbewerbsfähigkeit leidet unter hohen Energiekosten und einem Mangel an Nachfrage. Die Produktion bleibt unausgelastet. Während der Dienstleistungssektor wächst, schrumpft der produktive Kern der Wirtschaft – ein Prozess, der langfristig das gesamte Wachstumspotenzial Deutschlands gefährdet.

Neben geopolitischen Schocks wie dem Iran-Krieg spielen strukturelle Probleme eine zentrale Rolle: die Abhängigkeit von Energieimporten, die Folgen der undurchdachten Energiewende sowie globale Unsicherheiten durch Zölle und Handelskonflikte, aber auch die mangelnde Nachfrage aufgrund von Reallohnverlusten. Viele Industrieunternehmen berichten von sinkender Investitionsbereitschaft und erwägen, Kapazitäten ins Ausland zu verlagern, wo die Perspektiven besser sind.

Die EU-Kommission bleibt für 2027 vorsichtig optimistisch, knüpft eine Erholung aber an stabile Energiepreise und eine Entspannung der geopolitischen Lage. Ob diese eintritt, ist offen. Die aktuelle Prognosesenkung ist auf jeden Fall mehr als eine Zahl. Sie unterstreicht die Dringlichkeit, den Abwärtstrend im Produzierenden Gewerbe nicht als vorübergehende Delle, sondern als strukturelles Problem zu behandeln.

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