Von Rainer Rupp
Seit spätestens 2020 führt China unangefochten die globale Rangliste der Anmeldungen wissenschaftlicher Patente an. Bereits in den frühen 2020er Jahren meldete das Land jährlich weit über 1,5 Millionen Patente an, mit einem deutlichen Anstieg auf fast 1,8 Millionen im Jahr 2024. Die nächsten vier Länder – die USA, Japan, Südkorea und Deutschland – bleiben weit hinter China zurück und kommen zusammen nur auf drei Viertel der chinesischen Patentanmeldungen. Dabei handelt es sich ausschließlich um Erfindungspatente, also wissenschaftliche oder technische Patente, nicht um Gebrauchsmuster oder Designs.
Für den international renommierten russischen Chemiker und Materialwissenschaftler Prof. Artem Oganow ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in allen Wissenschaftsbereichen, insbesondere mit China, nicht nur ein Antrieb für den Fortschritt, sondern auch eine Brücke zwischen Völkern und Kulturen. Im Gegensatz dazu haben die in neoliberalen Nullsummendenken verhafteten EU-Eliten in Brüssel in ihrem jüngsten Strategiepapier ihren Mitgliedsländern eine Distanzierung von China verordnet und sie damit auf einen selbstzerstörerischen Weg in die Isolation geschickt.
Prof. Oganow wurde vergangene Woche – zusammen mit acht weiteren internationalen Wissenschaftlern – bei einer Zeremonie in Peking von Präsident Xi Jinping persönlich mit Chinas höchster internationaler Wissenschaftsauszeichnung geehrt. Die diesjährigen Preisträger kamen aus Russland, den USA, Belgien, Portugal, Australien, Deutschland, den Niederlanden und Frankreich – darunter auch der Nobelpreisträger Jean-Marie Lehn.
Laut der in Hongkong erscheinenden South China Morning Post hatte der weitsichtige Prof. Oganow bereits 2008 nach einem Besuch in China seinen europäischen Kollegen mitgeteilt, das Land sei auf dem Weg zur Nummer eins in Industrie und Wissenschaft. Damals stieß seine Einschätzung auf große Skepsis. Achtzehn Jahre später, am vergangenen Montag, bestätigte Oganow jedoch der Zeitung, dass „China längst zur Nummer eins geworden ist: in der Industrie, in der Wirtschaft und tatsächlich auch in der Wissenschaft“.
Professor Oganows beeindruckender Lebenslauf zeigt, dass er weiß, wovon er spricht. Mit seinen umfangreichen wissenschaftlichen Erfahrungen in Ost und West sowie in China ist er wahrscheinlich besser als jeder andere in der Lage, den internationalen Wissenschaftsstand zu vergleichen.
Geboren 1975, schloss Oganow 1997 sein Studium an der Moskauer Staatsuniversität ab und promovierte 2002 am University College London. Anschließend war er als Senior Scientist und Gruppenleiter an der ETH Zürich tätig, wo er 2007 habilitiert wurde. Von 2008 bis 2017 lehrte er als Professor an der Stony Brook University in New York. Seit 2015 ist er Professor am Skolkovo Institut für Wissenschaft und Technologie in Moskau und fungiert zudem als Chef-Wissenschaftsbeauftragter der russischen SberUniversität.
Unter anderem ist Oganow weltweit bekannt für die Entwicklung des USPEX-Programms zur Vorhersage von Kristallstrukturen, das weltweit für Durchbrüche in der Materialforschung eingesetzt wird. Oganows Beziehungen zu China begannen bereits Ende der 1990er Jahre während seiner Zeit am University College London. Damals stellte er fest, dass seine Freunde hauptsächlich Russen und Chinesen waren. Denn „für viele westliche Menschen“ seien „Russen und Chinesen Menschen zweiter Klasse“ gewesen. Leider werden diese Stereotype auch heute noch unterschwellig von vielen westlichen Medien verbreitet.
Tatsächlich steuert China mittlerweile ein Drittel aller weltweiten wissenschaftlichen Publikationen zur globalen Wissenschaft bei. Nicht nur die Quantität sei gestiegen, sondern auch die Qualität habe sich stark verbessert, so Oganow. Unter Verweis auf den „Nature Index“ – benannt nach der gleichnamigen international renommierten Wissenschaftszeitschrift – betonte der russische Wissenschaftler, dass eine weltweite Analyse von über 125.000 Forschungsartikeln in 178 führenden Zeitschriften aus dem Jahr 2025 diese Entwicklung bestätigt habe. Demnach liegt China weit vorn an erster Stelle, gefolgt von den USA auf Platz zwei. Vier der fünf weltweit führenden Institutionen sind – gemessen am Forschungsoutput – ebenfalls chinesisch, darunter die Chinese Academy of Sciences (CAS) auf Rang eins, die in Fachbereichen wie Biologie, Physik und Chemie global an der Spitze liegt. Oganow betonte laut der SCMP, dass die Zukunft denjenigen gehöre, die Brücken bauten. Wörtlich sagte er:
„Wir leben jetzt in sehr dramatischen Zeiten, in denen Politiker, vor allem westliche Politiker, Brücken niederbrennen. […] Die Zukunft gehört der internationalen Zusammenarbeit. Wissenschaft kann nicht isoliert werden. Wenn Wissenschaft in einem Land isoliert wird, stirbt sie.“
Er sieht die Welt auf einen dritten Weltkrieg zusteuern, wobei einige Regionen bereits einen Informations- oder Wirtschaftskrieg führen. Dennoch erwartet er, dass am Ende „der Frieden siegen“ werde, denn:
„Die Zukunft gehört denen, die Brücken bauen, nicht denen, die sie niederbrennen. Und die natürlichste Brücke zwischen verschiedenen Kulturen und Nationen ist die Wissenschaft.“
Abschließend betrachten wir die fünf führenden Nationen bei der Anmeldung wissenschaftlicher Patente seit dem Jahr 2020. An erster Stelle steht China, gefolgt von den USA, Japan, der Republik Korea (Südkorea) und Deutschland auf dem fünften Platz.
Diese Rangliste basiert auf Daten der WIPO (World Intellectual Property Organization) für Patentanmeldungen nach Herkunftsland (Anmeldungen von Einwohnern des jeweiligen Landes, einschließlich inländischer und ausländischer Anmeldungen). China hat in diesem Zeitraum mit großem Abstand dominiert und ein kontinuierlich starkes Wachstum gezeigt, während die anderen Länder stabilere oder leicht schwankende Zahlen aufweisen. Die Angaben beziehen sich auf Erfindungspatente (wissenschaftliche/technische Patente), nicht auf Gebrauchsmuster oder Designs.
Die neuesten, für alle fünf Länder vollständig verfügbaren Daten gibt es nur bis zum Jahr 2024:
China 1.796.738
Vereinigte Staaten 503.271
Japan 420.991
Republik Korea 296.037
Deutschland 133.784
Zum Vergleich die Daten aus 2023:
China 1.642.643
Vereinigte Staaten 521.382
Japan 414.599
Republik Korea 288.199
Deutschland 134.000
China verzeichnete in den letzten Jahren das stärkste Wachstum (z. B. +9,4 % von 2023 auf 2024), getrieben vor allem durch inländische Anmeldungen. Die Vereinigten Staaten verzeichneten einen leichten Rückgang (-3,5 %), während Japan (+1,5 %) und Südkorea (+2,7 %) moderate Zuwächse zeigten. Deutschland blieb stabil, international immer noch im oberen Bereich, aber es wächst nicht und scheint nur noch von seiner Substanz zu zehren.
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