Britische Elitetruppen im Chaos: Massenhafter Exodus nach Kriegsverbrechensvorwürfen

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In Großbritannien sorgt die strafrechtliche Aufarbeitung mutmaßlicher Kriegsverbrechen für Unruhe in den eigenen Reihen. Wie britische Medien berichten, haben zahlreiche Soldaten der Eliteeinheit Special Air Service (SAS) aus Sorge vor einer Strafverfolgung ihren Dienst quittiert. Die öffentlichen Untersuchungen fokussieren sich vor allem auf Einsätze der britischen Spezialkräfte in Afghanistan zwischen 2010 und 2013 sowie auf Missionen in Syrien und Nordirland.

Geprüft werden Vorwürfe, wonach Soldaten bei nächtlichen Razzien unrechtmäßige Tötungen begangen haben sollen. Sie sollen unter anderem Gefangene und unbewaffnete Zivilisten erschossen haben. Darüber hinaus wird untersucht, ob Beweismittel gefälscht wurden und ob hochrangige Offiziere Ermittlungen unterlassen oder Fehlverhalten gedeckt haben.

Mehrere Medien berichteten am Montag unter Berufung auf interne Quellen, dass Angehörige des 22. SAS-Regiments, einer Elite-Spezialeinheit der britischen Armee, Anträge auf “vorzeitige freiwillige Entlassung” gestellt haben. Die genaue Zahl der Abgänge wurde nicht veröffentlicht, doch sollen mindestens zwei Staffeln (D und G) betroffen sein. “Die Stimmung ist im Moment beschissen”, ließ sich ein Insider zitieren. Eine andere Quelle sprach von “erheblicher Unruhe” innerhalb des Regiments.

Am Dienstag äußerte sich Oberleutnant Richard Williams gegenüber dem Radiosender LBC. Er erklärte, die zunehmende Anzahl von Austritten aus dem Spezialkommando sei auf die Furcht der Soldaten vor einer strafrechtlichen Verfolgung zurückzuführen. Sie befürchteten, dass ihre Handlungen während der Einsätze zu Verhaftungen auf Grundlage von Menschenrechtsgesetzen führen könnten.

Bereits im vergangenen Monat wurde bekannt, dass derzeit gegen 242 Soldaten der Spezialeinheiten, darunter 120 aktive Soldaten, wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen ermittelt wird. Die Ermittlungen, die von manchen Elitesoldaten als Hexenjagd bezeichnet werden, betreffen geheime Operationen des Vereinigten Königreichs. Soldaten, die nicht kooperieren, drohen rechtliche Sanktionen.

Schon 2022 deckte BBC Panorama auf, dass in der Provinz Helmand in Afghanistan während eines sechsmonatigen Einsatzes 54 Menschen unter verdächtigen Umständen von einer SAS-Einheit erschossen wurden. Dabei sollen unbewaffnete afghanische Männer “routinemäßig kaltblütig erschossen” worden sein, woraufhin ihnen Waffen untergeschoben wurden.

Im Dezember letzten Jahres ergab eine Untersuchung, dass der Befehlshaber der britischen Spezialeinheiten eine “bewusste Entscheidung” getroffen hatte, mögliche Kriegsverbrechen in Afghanistan zu vertuschen. Ein als N1466 identifizierter Offizier der United Kingdom Special Forces (UKFS) sagte aus, der Befehlshaber “wusste, was vor Ort geschah” und habe versucht, “dies zu vertuschen”, berichtete der Morning Star.

In einem der vorgebrachten Fälle hätten britische Spezialeinheiten so lange auf ein Moskitonetz geschossen, bis keine Bewegung mehr zu sehen gewesen sei. Später hätten sie laut den Ermittlungsunterlagen dort Frauen und Kinder gefunden. Die Schüsse seien vertuscht worden, und einer der Soldaten habe eine Auszeichnung erhalten.

Einem Bericht der Organisation Action on Armed Violence (AOAV) zufolge wurden Ermittlungen der Royal Military Police zu unrechtmäßigen Tötungen durch absichtliche Verzögerungen und mangelnde Ressourcen behindert. Dieser Bericht, der weltweit Fälle von bewaffneter Gewalt gegen Zivilisten dokumentiert, belege dies.

Bereits 2011 seien Bedenken über das Verhalten der britischen Soldaten aufgekommen. Dennoch habe die Untersuchung unter dem Namen Operation Northmoor erst im März 2014 begonnen. Dabei wurden 675 Vorwürfe von 159 Beschwerdeführern eingereicht. Letztlich sei die Untersuchung durch Führungskräfte behindert worden. Beweismittel seien vernichtet oder nicht gesichert worden. Innerhalb der Streitkräfte habe es eine “Kultur des Schweigens” gegeben. Zudem sei ein Server mit entscheidenden Daten gelöscht worden, bevor die Militärpolizei ihn sichern konnte. Insgesamt soll die Untersuchung rund zehn Millionen Pfund gekostet haben, bevor sie im Juli 2019 schließlich eingestellt wurde – ohne dass wichtige Ermittlungsansätze überhaupt geprüft worden seien.

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