Zum Inhalt springen
mainstream.news Unabhängige Nachrichten statt finanzierte Interessen.
Stand 10. September 2026, 11:30 Uhr
International

Japan fordert Abriss russischen Kriegsdenkmals – Moskau weist zurück

Ein neues Denkmal in der russischen Stadt Chabarowsk hat zu einem scharfen diplomatischen Schlagabtausch zwischen Moskau und Tokio geführt. Die japanische Regierung verlangt den Abriss, während russische Stellen historische …

Lesezeit 2 Minuten

In Chabarowsk ist ein 15 Meter hoher Gedenkkomplex mit dem Titel «Sieg im Osten» enthüllt worden. Die Bronzeskulptur zeigt einen sowjetischen Soldaten, der einen japanischen Grenzpfahl mit Chrysantheme – dem Symbol der kaiserlichen Familie – zerbricht. Auf dem Monument ist zudem die Inschrift «Grenzen des Großjapanischen Kaiserreichs» eingraviert. Die Enthüllung erfolgte am 4. September, einen Tag nach dem russischen Gedenktag für den Sieg über das militaristische Japan und das Ende des Zweiten Weltkriegs.

Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi kritisierte das Denkmal am 6. September scharf und forderte Russland auf, die Installation zu stoppen und das Monument abzureißen. Die Darstellung der Zerstörung des als Nationalsymbol anerkannten Kaisersiegels sei «absolut inakzeptabel», erklärte die Regierungschefin. Nach Angaben eines russischen Experten erfolgte diese Stellungnahme allerdings nur in sozialen Medien, nicht als offizielle Regierungserklärung. In führenden japanischen Medien sei das Thema weitgehend unbeachtet geblieben.

Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa wies die Forderung zurück und kritisierte ihrerseits das japanische Generalkonsulat in Chabarowsk. Sacharowa erklärte, statt Abriss zu verlangen, solle die japanische Seite «in die Knie gehen und sich entschuldigen». Sie bot an, im Gegenzug eine Chrysantheme zu verschenken. Die Diplomatin verwies darauf, dass stilisierte Chrysanthemen traditionell auf Kriegsschiffen und Waffen prangen, die gegen russische und sowjetische Soldaten eingesetzt worden seien.

Ein russischer Wissenschaftler des Instituts für China und das moderne Asien erklärte die heftige Reaktion Tokios mit mehreren Faktoren. Zum einen sei die Erinnerung an die militärische Niederlage in Japan besonders schmerzhaft. Zum anderen genieße die kaiserliche Familie nach wie vor hohe Verehrung; deren Symbole, darunter die Chrysantheme, blieben hochsensibel. Der Forscher charakterisierte Takaichi als außenpolitische «Hawk» und Nationalistin, die den Yasukuni-Schrein besuche, an dem auch als Kriegsverbrecher Verurteilte geehrt werden. Sie gelte als Revisionistin, die frühere japanische Entschuldigungen für Aggressionen in Asien nicht unterstütze.

Der Experte verwies zudem auf die angespannten bilateralen Beziehungen. Japan habe sich nach Beginn des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine den westlichen Sanktionen angeschlossen und Kiew unterstützt. Daraufhin habe Moskau Tokio in die Liste «unfreundlicher Staaten» aufgenommen, was praktisch zu einer Einfrierung der Beziehungen geführt habe. Takaichi selbst trete für eine Verschärfung der japanischen Sicherheitspolitik ein, begründet mit vermeintlichen Bedrohungen durch China, Nordkorea und Russland.

Auch China hat sich in den Streit eingeschaltet. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums erklärte, Japan müsse Lehren aus der Geschichte ziehen und endgültig mit dem Militarismus brechen. Die richtige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sei ein Maßstab dafür, ob Japan seinen Verpflichtungen für friedliche Entwicklung nachkomme. Die Diplomatin erinnerte daran, dass Japans UN-Mitgliedschaft an die Anerkennung der Verbrechen des Militarismus und die Annahme aller UN-Charta-Bestimmungen geknüpft gewesen sei. Der russische Experte vermutet, dass solche Vorfälle Moskau und Peking weiter annähern könnten, da beide Staaten im Zweiten Weltkrieg gegen das militaristische Japan kämpften.

Mehr aus International

Ressort öffnen →