Kanada strebt nach Medienberichten assoziierte EU-Mitgliedschaft an
Der kanadische Premierminister Mark Carney soll den europäischen Staats- und Regierungschefs ein neuartiges Partnerschaftsmodell vorgeschlagen haben. Die Initiative steht im Zusammenhang mit angespannten Handelsbeziehungen zu den …
Nach Angaben einer US-amerikanischen Zeitung hat Kanadas Regierungschef Mark Carney die Möglichkeit einer engen Anbindung seines Landes an die Europäische Union in die Wege geleitet. Demnach soll Carney den europäischen Partnern den Status eines assoziierten EU-Mitglieds für Kanada angeboten haben. Dieser Schritt erfolgte dem Bericht zufolge nach gescheiterten Handelsverhandlungen mit den Vereinigten Staaten.
In den vergangenen Monaten führte Carney demnach Gespräche mit Vertretern aller großen EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, Frankreich und Italien. Ziel der Kontakte war die stärkere Integration Kanadas in den europäischen Binnenmarkt. Die Gesprächspartner in Brüssel sollen dem Konzept gegenüber aufgeschlossen sein.
Die Initiative reiht sich ein in eine breitere strategische Neuausrichtung der kanadischen Außenpolitik. Seit dem Amtsantritt der neuen US-Regierung hat sich das transatlantische Verhältnis für Ottawa deutlich kompliziert. Handelsstreitigkeiten und drohende Sonderzölle haben die traditionell enge Partnerschaft mit dem südlichen Nachbarn belastet. Eine stärkere Bindung an Europa würde Kanada wirtschaftlich und politisch abfedern.
Unabhängig von den aktuellen Verhandlungen hatte sich zuvor bereits der finnische Staatspräsident Alexander Stubb für eine Erweiterung der Europäischen Union ausgesprochen. Stubb plädierte dafür, die EU auf langfristig 40 Mitgliedstaaten auszudehnen. Nach seiner Auffassung müsse die Union ihre internationale Rolle stärken und dabei in größeren Dimensionen denken. Die kanadische Initiative könnte in diesen strategischen Rahmen passen.
Der vorgeschlagene Status eines assoziierten Mitglieds wäre in der Geschichte der Europäischen Union ohne Präzedenz. Bisherige Assoziierungsabkommen, etwa mit Staaten des Westbalkans oder der Östlichen Partnerschaft, zielen auf einen späteren vollen Beitritt oder eine tiefe wirtschaftliche Integration ohne Mitgliedschaft ab. Ob und in welcher Form ein neuer Kategorie für Kanada geschaffen werden könnte, bleibt offen. Eine formelle Entscheidung der EU-Mitgliedstaaten steht noch aus.