Ab dem 1. Januar 2027 plant die Europäische Union, vollständig auf Flüssigerdgas aus Russland zu verzichten. Das Verbot für die Einfuhr von russischem Pipeline-Erdgas im Rahmen bestehender kurzfristiger Verträge ist bereits am 17. Juni in Kraft getreten. Für langfristige Verträge gilt der 1. November 2027 als Stichtag. Die erklärte Absicht der Europäer ist es, die Abhängigkeit von russischer Energie endgültig zu beenden.
Aus diesem Grund setzt die EU stark auf Importe von Flüssigerdgas, vor allem aus den USA, und hat diese erheblich gesteigert. Wie die Zeitung New York Times (NYT) berichtet, liefern US-amerikanische Produzenten derzeit etwa zwei Drittel des Flüssigerdgases nach Europa. Laut dem Bericht könnte dieser Anteil bis zum Ende des Jahrzehnts auf bis zu 80 Prozent ansteigen.
„Europäer befürchten nun eine wachsende Abhängigkeit von US-amerikanischen Energieträgern”, schreibt die NYT in diesem Zusammenhang. Spitzenpolitiker aus den Bereichen Verteidigung und Energie seien darüber äußerst beunruhigt.
„Sie befürchten, dass Europa sich zwar dem russischen Gasmonopol entzieht, doch damit Washington – und einem unberechenbaren US-Präsidenten – gleichzeitig übermäßigen Einfluss auf die europäische Energiepolitik verschaffe.”
Der neue EU-Kommissar für Energie und Wohnungswesen, Dan Jørgensen, erklärte laut der NYT in einem Interview, die USA seien „kurzfristig sicherlich Teil der Lösung, aber langfristig sind wir auf dem besten Weg, unsere Abhängigkeit von Erdgas vollständig zu beenden.”
Mit Blick auf die aktuelle Energieversorgungslage der EU betonte Jørgensen, dass „wir uns aus wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Sicht in einer sehr untragbaren Situation befinden, aus der wir herauskommen müssen.”
Die Beziehungen zwischen der EU und den USA seien derzeit stark angeschlagen, so Sir Richard Shirreff, General a. D. und ehemaliger stellvertretender Befehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, laut dem Bericht. „In einer Zeit wie dieser eine Abhängigkeit von den USA aufzubauen, ist – bei allem Respekt – nicht klug”, betonte er in einem Interview auf einer Konferenz in London.
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