Militärbasis in Rumänien: Wie die USA das Kräfteverhältnis an Russlands Grenze verändern wollen
Von Geworg Mirsajan
Rumänien gilt derzeit als das ärmste Land in der Europäischen Union. Dennoch haben die Behörden vor Ort beschlossen, dort rund 2,5 Milliarden Euro für den Bau des größten NATO-Stützpunktes in der “Alten Welt” bereitzustellen.
Der Stützpunkt wird an der Schwarzmeerküste in der Nähe der Stadt Constanța auf dem Gelände des ehemaligen 57. Luftwaffenstützpunkts des Landes errichtet (auf dem heute bereits etwa 5.000 NATO-Soldaten, vor allem US-Amerikaner, stationiert sind). Der neue Stützpunkt wird Platz für 10.000 Soldaten bieten. Gleichzeitig soll das NATO-Objekt völlig autonom werden, einschließlich eigener Schulen und Kindergärten für den Nachwuchs der Mitarbeiter – eine Art Kleinstadt auf dreitausend Hektar Land.
Und höchstwahrscheinlich wird diese Kleins wieder vollständig US-amerikanisch sein. Tatsache ist, dass verschiedene Denkfabriken, darunter auch das CSIS (Zentrum für Strategische und Internationale Studien der USA), Berichte veröffentlichten, in denen die Stationierung weiterer Truppen an der Ostflanke der NATO empfohlen wird. Laut NATO-Experten sei dies rentabler, als die Truppen nur dort zu haben und etwa alle neun Monate die Brigaden auszutauschen (wie es derzeit geschieht). Als dauerhafte Stationierungsorte werden Polen (das Donald Trump schon vor dem Beginn der speziellen russischen Militäroperation für diese Rolle in Betracht gezogen hatte) sowie Rumänien vorgeschlagen.
Wadim Truchatschjow, außerordentlicher Professor an der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität (kurz RGGU), erläuterte die möglichen Gründe für die Wahl Rumäniens gegenüber der Zeitung Wsgljad folgendermaßen:
“Rumänien grenzt an die Ukraine, hat Zugang zum Schwarzen Meer und liegt gegenüber der Krim. Von diesem Territorium ist es für die NATO bequem, einen möglichen Krieg gegen Russland zu führen. Außerdem war dort die Administration bereit, einen solchen Stützpunkt zu beherbergen.”
Zudem liegt der Stützpunkt natürlich auch gefährlich nahe zu Transnistrien, jenem Gebiet Moldawiens, das von russischen Bürgern bewohnt wird.
Die Rumänen selbst machen keinen Hehl daraus, dass der Stützpunkt in erster Linie zum Kampf gegen Russland gebraucht werde. Euronews zitiert den rumänischen Politologen Dorin Popescu mit den Worten:
“Der Stützpunkt Mihail Kogălniceanu [eine Gemeinde nahe Constanța] wird zur wichtigsten dauerhaften NATO-Militärstruktur in unmittelbarer Nähe des Konflikts in der Südukraine werden. Hoffen wir nicht, dass dieser Konflikt in diesem Jahr, 2025 oder 2026 beendet wird. Das ist ein langfristiger Konflikt.”
Nun, im Moment ist die Bedrohung durch den Stützpunkt relativ gering – schon allein deshalb, weil die Bauarbeiten gerade erst begonnen haben. Euronews schreibt weiter:
“Die Arbeiten am NATO-Stützpunkt haben mit der grundlegenden Infrastruktur begonnen, also mit den Zufahrtsstraßen und dem Stromnetz. Der Bau einer neuen Start- und Landebahn parallel zur bestehenden wird bald beginnen.”
Und dieses Szenarium kann als ein gewisses Element diplomatischen Drucks betrachtet werden. Allerdings könnte der neue NATO-Stützpunkt in Zukunft das Kräfteverhältnis nicht nur in Südosteuropa, sondern auch im Schwarzen Meer gravierend verändern.
Nominell werden dort Bodentruppen stationiert sein. Laut dem derzeitigen Kommandeur des Stützpunkts Nicolae Crețu kann er nach der Modernisierung alle Bodentruppen, Spezialeinheiten – oder “jedes andere militärische Potenzial, das als Reaktion auf Sicherheitssituationen erforderlich ist” – beherbergen. Das heißt, auch Marineeinheiten, die in der Lage sind, Russlands Kommunikationswege über den Bosporus und die Dardanellen zu gefährden.
Natürlich können die USA gemäß dem Vertrag von Montreux nicht dauerhaft ihre Flotte vor der Küste Rumäniens halten. Aber niemand verbietet einer Flotte, dort unter rumänischer Flagge zu fahren. Daran erinnert Dmitri Ofizerow-Belski, ein leitender Wissenschaftler am Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften, in einem Gespräch mit Wsgljad:
“Zum Beispiel könnten einige alte Schiffe der US-Marine nach Rumänien überführt werden – wie es einst mit Polen gemacht <