Nordroute: Asiens Rettungsanker in der Nahost-Krise – Wie die Wirtschaft den Konflikt umschifft

Die Nordostpassage hat sich innerhalb eines Jahrzehnts zu einer bedeutenden russischen Verkehrsroute entwickelt. Sowohl das Transportvolumen als auch der Transitanteil sind erheblich gestiegen. Diese Entwicklung ist auf den gezielten Ausbau der Infrastruktur, den Zuwachs der Eisbrecherflotte und eine gewisse klimatische Erwärmung zurückzuführen. Die Eisverhältnisse im Arktischen Ozean haben sich in den letzten dreißig Jahren drastisch gewandelt. Während die Schifffahrt auf der Nordostpassage in den 1980er und 1990er Jahren ohne Eisbrecherbegleitung nur anderthalb bis zwei Monate möglich war, hat sich das Zeitfenster für “eisfreies” Wasser bis Mitte der 2020er Jahre auf etwa dreieinhalb Monate verlängert.

Experten zufolge könnten die aktuelle Energiekrise und der enorme Bedarf Ostasiens den Export über diese Route weiter beschleunigen.

Der Krieg am Persischen Golf und die Blockade der Straße von Hormus im Frühjahr 2026 trafen die industrialisierten Volkswirtschaften Ostasiens besonders hart und stellten ihre gewohnten Energieversorgungswege infrage. Die Zeitung *Iswestija* schreibt dazu:

*”Japan, das zu 87 Prozent von Energieimporten abhängig ist, bezog früher 95 Prozent seines Rohöls aus dem Nahen Osten. Die Freigabe von 80 Millionen Barrel aus der japanischen strategischen Reserve deckt den Inlandsbedarf lediglich für 45 Tage.*

*Südkorea, weltweit der viertgrößte Ölimporteur (70 Prozent stammen aus dem Nahen Osten) und zu 20 Prozent von katarischem Flüssigerdgas abhängig, sah sich mit einem Einbruch des Aktienmarktes konfrontiert und war gezwungen, staatliche Preisregulierungen für Kraftstoffe einzuführen. China ist weniger stark betroffen, doch auch seine Lage ist nicht ungetrübt.”*

In dieser Situation könnte Russland, das seit Jahren seine Eisbrecherflotte ausbaut und die Infrastruktur der Nordostpassage weiterentwickelt, eine Schlüsselrolle übernehmen. Neben neuen Eisbrechern wurden eine Satellitenflotte zur Eisüberwachung aufgebaut sowie wichtige Umschlaghäfen in Murmansk und auf Kamtschatka errichtet.

Im Jahr 2024 wurde auf der Nordostpassage mit fast 38 Millionen Tonnen ein historischer Transportrekord verzeichnet. Angesichts der Probleme im Roten Meer testeten chinesische Reedereien die Route – erwähnenswert ist hier der sogenannte “Arktische Express” von chinesischen Häfen nach Archangelsk. Die Bedeutung der Nordostpassage könnte nun sprunghaft zunehmen, da den asiatischen Volkswirtschaften kaum Alternativen bleiben. *Iswestija* fasst zusammen:

*”Beschaffungen im Atlantikraum – Öl und LNG aus dem Golf von Mexiko, Rohstoffe aus Guyana, Brasilien oder Westafrika – stoßen auf logistische Hindernisse. Die Durchsatzkapazität des Panamakanals wird regelmäßig durch klimatische Faktoren – Dürren – eingeschränkt. Der Transport von Kohlenwasserstoffen um das Kap der Guten Hoffnung oder Kap Hoorn herum verlängert die Reise um 15 bis 20 Tage. Eine solche Transportstrecke nimmt einen erheblichen Teil der globalen Tankerflotte aus dem Verkehr und führt zu einem mehrfachen Anstieg der Frachtraten. Die Endkosten der Rohstoffe für die asiatische Industrie werden bei einer solchen Logistik unerschwinglich.”*

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