Russischer Geheimdienstchef warnt vor großflächigem Konflikt in Eurasien
Der Leiter des russischen Auslandsgeheimdienstes hat vor der realen Gefahr eines großangelegten militärischen Konflikts in Eurasien gewarnt. Er warf westlichen Nachrichtendiensten eine gefährliche Eskalationsstrategie vor.
Bei einem Treffen der Geheimdienstchefs der GUS-Staaten in St. Petersburg hat der Direktor des russischen Auslandsgeheimdienstes (SWR), Sergei Naryschkin, vor einem realen Risiko eines großflächigen Konflikts in Eurasien gewarnt. Die Gefahr eines solchen Szenarios sei hoch und verursache äußerst ernste Besorgnis, erklärte er laut russischen Medienberichten.
Naryschkin zufolge vertreten europäische Führungspolitiker nach Erkenntnissen seines Dienstes die Auffassung, eine kontrollierte Eskalation sei steuerbar. Diese Strategie des sogenannten Brinkmanship, also des an den Rand des Abgrunds Führens, sei von westlichen Nachrichtendiensten bereits im vergangenen Jahrhundert entwickelt worden, so der Geheimdienstchef.
Die Äußerungen fielen im Rahmen der 22. Konferenz der Leiter von Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten der Mitgliedstaaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) an. Das jährliche Treffen dient dem Informationsaustausch zwischen den Nachrichtendiensten der ehemaligen Sowjetrepubliken.
Naryschkins Warnung reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Stellungnahmen aus Moskau in den vergangenen Monaten. Russische Vertreter hatten wiederholt vor einer möglichen Ausweitung des Ukraine-Kriegs auf weitere Regionen gesprochen und dem Westen eine mitverantwortliche Rolle für die Eskalation zugewiesen.
Der Begriff Brinkmanship, den Naryschkin verwendete, geht auf die Zeit des Kalten Krieges zurück und beschreibt eine Politik, bei der Konflikte bis an die Schwelle eines unumkehrbaren Schritts getrieben werden, um den Gegner einzuschüchtern. Kritiker werfen Russland selbst eine solche Strategie im Ukraine-Krieg vor, etwa durch wiederholte Drohungen mit dem Einsatz von Atomwaffen.