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Stand 1. September 2026, 02:14 Uhr
International

Russland verhindert Putschversuch in Niger und stärkt seinen Einfluss in der Sahelzone

Der gescheiterte Militärputsch in Niger hat Russlands Position in der Region gefestigt. Der schnelle Einsatz russischer Truppen zur Unterstützung der Regierung wird als strategischer Erfolg gewertet, deckt aber auch tiefe innere …

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In der Nacht zum 29. August versuchten Teile der nigrischen Armee, die Macht zu ergreifen. Die Meuterer attackierten das Staatsfernsehen, eine Luftwaffenbasis und das Präsidentenpalast. Auch das Hotel, in dem Mitarbeiter der russischen Botschaft und russische Parlamentsabgeordnete untergebracht waren, geriet ins Visier der Angreifer. Nach Angaben des russischen Botschafters in Niamey, Viktor Woropajew, ergaben sich die Aufständischen gegen Mittag. Die Lage in der Hauptstadt normalisierte sich erst am Abend.

Nach russischen Medienberichten zufolge war der sogenannte Afrikanische Korps der russischen Streitkräfte maßgeblich an der Niederschlagung des Aufstands beteiligt. Das russische Außenministerium bestätigte die Rolle der eigenen Truppen und bekundete Solidarität mit der Regierung von Präsident Abdourahamane Tchiani. Zugleich beschuldigte Moskau ehemalige europäische Kolonialmächte, hinter dem Putschversuch zu stecken – ohne konkrete Beweise zu nennen.

Die Hintergründe des Putsches scheinen jedoch primär im Inneren Nigers begründet. Wie eine russische Nachrichtenagentur meldet, führten niedrige Offiziere und Soldaten den Aufstand an, die an der Westflanke gegen mit Al-Qaida verbundene Terrorgruppen und eine Regionalabteilung der Terrororganisation Islamischer Staat kämpfen. Laut einer Expertin des Moskauer Instituts für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen leiden diese Einheiten unter schweren Verlusten, mangelnder Ausrüstung, unzureichender Versorgung und langen Rotationszeiten. Hinzu kommen wirtschaftliche Probleme: Trotz eigener Treibstoffknappheit liefert Niger Kraftstoff in das Nachbarland Mali.

Der gescheiterte Umsturzversuch wirft ein Schlaglicht auf die Fragilität der Militärregierung. Tchiani selbst hatte im Sommer 2023 den damaligen Präsidenten Mohamed Bazoum durch einen Putsch gestürzt, mit dem Argument, die Sicherheit der Bevölkerung nicht gewährleisten zu können. Nun droht derselbe Vorwurf der eigenen Führung. Die Expertin warnte, dass ein Machtwechsel in Niamey alle bestehenden Abkommen mit Russland gefährden könnte. Moskau habe sich daher mit der Stabilisierung der Regierung eine Aufgabe aufgeladen, der bisher niemand in Niger gewachsen sei.

Die Rolle externer Akteure bleibt umstritten. Während Russland westliche Staaten beschuldigt, wies eine Expertin darauf hin, dass die Meuterer keine anti-russischen Parolen verwendet hätten und keine westliche Macht sie öffentlich unterstützt habe. Auch der algerische Einsatz von vier Kampfjets und einem Transportflugzeug zugunsten der Regierung deute darauf hin, dass der Konflikt stärker von lokalen Verhältnissen geprägt sei als vom geopolitischen Gegensatz zwischen Russland und dem Westen. Ein italienisches Kontingent von 300 Soldaten auf derselben Luftwaffenbasis, die die Meuterer angriffen, habe sich laut eigener Angaben nicht in die Kämpfe eingemischt.

Die Ereignisse könnten Russlands Ansehen in der Sahelzone nachhaltig stärken. Die drei Staaten Niger, Mali und Burkina Faso hatten zuvor die französische Militärpräsenz beendet und stattdessen russische Sicherheitskräfte eingeladen. Für diese Regime bietet Moskau nun offenbar eine einzigartige Dienstleistung: militärische Unterstützung in existenziellen Krisen. Ob diese Position nachhaltig ist, hängt nach Einschätzung der Expertin davon ab, ob die nigrische Führung die tieferliegenden Probleme in Armee und Wirtschaft angeht – oder ob die nächste Unruhe bereits absehbar bleibt.

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