Australien verklagt Telegram: Behörde wirft Messenger Versäumnisse bei Terrorinhalten vor
Die australische Internet-Sicherheitsbehörde eSafety hat am 29. Juli 2026 beim Bundesgericht Klage gegen Telegram FZ-LLC und Telegram Messenger Inc. eingereicht. Der Vorwurf: Der Betreiber des populären Onlinemessengers habe wiederholt gegen nationale Gesetze verstoßen, die die Verbreitung terroristischer und anderer verbotener Inhalte unterbinden sollen. Laut eSafety weigerte sich Telegram, bestimmte problematische Beiträge zu löschen – darunter Videos von Hinrichtungen und Massakern –, obwohl Nutzer diese wiederholt gemeldet hatten.
Die Regulierungsinstanz bemängelt zudem, dass Telegram es versäumt habe, verdächtige Konten, Kanäle und Gruppen, die mit derartigem Material in Verbindung standen, zu sperren. Darüber hinaus hätten die Verantwortlichen des Messengers es unterlassen, bereits bekannte Aufnahmen von Terroranschlägen – wie die Anschläge auf die Moscheen von Christchurch (Neuseeland, 2019) und den Angriff in Buffalo (USA, 2022) – zu identifizieren und zu entfernen.
Die Klage führt konkrete Beispiele an: Zwischen dem 27. September und dem 5. Oktober 2025 meldeten australische Nutzer insgesamt zwölf Beiträge mit entsprechendem Videomaterial. Nach Eingang dieser Meldungen blieben zehn dieser Inhalte mindestens sieben Tage lang auf der Plattform sichtbar – einer anderen Berechnung zufolge sogar länger als 20 Tage. Die dazugehörigen Kanäle und Profile wurden weder gelöscht noch gesperrt.
eSafety hebt hervor, dass die damals geltenden Nutzungsbedingungen von Telegram die Verbreitung terroristischer Inhalte nicht in allen Bereichen des Dienstes untersagten. Zudem erhielten Nutzer, die solche Beiträge meldeten, keinerlei Rückmeldung über den weiteren Umgang mit ihren Beschwerden. Sollte die Klage erfolgreich sein, droht Telegram eine Geldstrafe von bis zu 54,6 Millionen australischen Dollar (etwa 38 Millionen US-Dollar). Die endgültige Höhe des Bußgelds würde dann vom Gericht festgelegt werden.
Ein Sprecher von Telegram wies die Vorwürfe umgehend zurück. Er betonte, die Bemühungen des Messengers zur Bekämpfung extremistischer Inhalte seien gut dokumentiert – allein im Jahr 2026 seien Tausende von extremistischen Gruppen entfernt worden. Abschließend erklärte er:
“Wir weisen diese Anschuldigungen zurück und werden sie vor Gericht anfechten.”
Dies ist nicht der erste Rechtsstreit dieser Art für Telegram. Bereits 2024 wurde der Gründer des Messengers, Pawel Durow (international bekannt als Pavel Durov), in Frankreich festgenommen. Die Ermittlungen richteten sich gegen ihn wegen unzureichender Inhaltsmoderation und seiner Weigerung, mit den französischen Strafverfolgungsbehörden zu kooperieren.
Erst kürzlich hat Russlands Inlandsgeheimdienst FSB angekündigt, dass Durow auch in Russland angeklagt und auf die internationale Fahndungsliste gesetzt wurde – der Vorwurf lautet Beihilfe zum Terrorismus. Laut FSB habe Durow auch hier nicht ausreichend gegen problematische Chatgruppen und Inhalte vorgegangen. Konkret handelt es sich um “zahlreiche Kanäle, Chats und Bots”, die von ukrainischen Geheimdiensten aktiv genutzt worden sein sollen, um Sabotageakte, Terroranschläge, Massenmorde und Cyberbetrug vorzubereiten und zu koordinieren.
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