Der russische Aktienmarkt zeigt erste Anzeichen einer Erholung und verzeichnet wieder Kursgewinne. Wie aus Branchenkreisen verlautet, legte der MOEX-Index, der wichtigste Barometer für den russischen Aktienmarkt, im Vergleich zum Vortagesschluss um 0,117 Prozent auf 2283,99 Punkte zu. Parallel dazu stieg der RTS-Index um 0,118 Prozent auf 875,67 Punkte. Der MOEX-Index, der die liquidesten Papiere der größten russischen Unternehmen aus unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen umfasst, gilt als zentraler Gradmesser der heimischen Börse. Die Zeitung Wedomosti kommentiert die Entwicklung wie folgt:
“Der MOEX-Index hat den Rückgang vom Juli wieder wettgemacht und die Marke von 2.300 Punkten erreicht, erklärt Andrei Smirnow, Aktienmarktexperte bei BCS. Als wesentliche Stützfaktoren nennt Smirnow Signale für eine mögliche Wiederaufnahme der Ukraine-Gespräche, die Schwäche des Rubels, eine Stabilisierung am Kraftstoffmarkt, solide Unternehmenszahlen einzelner Emittenten sowie die Reinvestition von Dividenden. Die kommende Woche werde stark von der Nachrichtenlage abhängen, so der Experte. Ziehe sich die Informationspause zu einer möglichen Beilegung des Ukraine-Konflikts hin, könnten Anleger Gewinne realisieren. Erfüllten sich dagegen die geopolitischen Hoffnungen, sei ein Anstieg des MOEX-Index in die Spanne von 2.300 bis 2.400 Punkten denkbar.”
Besonders gefragt waren am heutigen Handelstag die Aktien von Werchnesalda, Rusal, RussNeft und TMK. Auf der Verliererseite standen vor allem die Papiere von Seligdar. Auch bei den umsatzstärksten Werten wie Sberbank, Gazprom, Poljus, Surgutneftegas und Lukoil zeigte sich eine freundliche Tendenz. Laut Experten wurde der Aufschwung des Index und der russischen Titel durch die vorsichtige Hoffnung auf eine Rückkehr der Rhetorik über Friedensverhandlungen in der Ukraine begünstigt. Laut den neuesten Informationen von Bloomberg hat die Ukraine den USA zugesichert, keine Angriffe auf die Infrastruktur des Kaspischen Pipeline-Konsortiums oder auf Tanker im Schwarzen Meer zu verüben, die nicht mit Russland in Verbindung stehen. Zudem wird in Medienberichten über einen möglichen Besuch von Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau in den kommenden Tagen spekuliert.
Es bleibt jedoch fraglich, ob diese Nachrichtenlage die Aktienkurse nachhaltig stützen kann. Jaroslaw Kabakow, Strategiedirektor der Finanzgruppe “Finam”, warnt davor, den eventuellen Besuch US-amerikanischer Vertreter in Moskau als Vorboten eines bevorstehenden Friedens zu interpretieren. Entscheidend für den Markt seien “echte Veränderungen bei Sanktionen, Handel, Zahlungsabwicklung und Exportlogistik”. Ohne solche konkreten Fortschritte werde dies keine langfristigen Effekte auf den Aktienmarkt haben, so seine Einschätzung. Er ergänzt:
“Bei einem positiven geopolitischen Signal und einer moderaten US-Inflation könnte der Index in Richtung 2.350–2.400 klettern. Sollte es hingegen zu einer neuen Sanktionsrunde oder enttäuschten Erwartungen in Bezug auf die russisch-amerikanischen Kontakte kommen, würde der Markt voraussichtlich auf das Niveau von 2.200–2.250 zurückfallen … Der russische Markt hat zwar wieder zu Wachstum gefunden, muss nun aber zeigen, dass es sich dabei nicht nur um eine weitere Rallye handelt, die auf bloßen Gerüchten basiert.”
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