Brasilien: Experte sieht BRICS-Austritt bei Bolsonaro-Sieg als möglich
Ein brasilianischer Politikwissenschaftler hält einen Austritt seines Landes aus der BRICS-Gruppe für denkbar, sollte der rechte Kandidat Flávio Bolsonaro die Präsidentschaftswahl gewinnen. Ein anderer Analyst widerspricht dieser …
Sollte Flávio Bolsonaro von der rechten Liberalen Partei die brasilianischen Präsidentschaftswahlen gewinnen, könnten die USA einen Austritt des Landes aus der BRICS-Gruppe verlangen. Das erklärte Fabiano Melnichuk, Professor für Politikwissenschaft an der Bundesuniversität von Rio Grande do Sul, in einem Interview.
Melnichuk zufolge würde eine Bolsonaro-Regierung einer solchen Forderung aus Washington nachkommen. Der Politikwissenschaftler bezeichnete ein solches Szenario als durchaus wahrscheinlich. Gleichzeitig räumte er ein, dass ein vollständiger Austritt nicht die einzige Möglichkeit sei. Brasilien könne seine Beteiligung am Bündnis auch auf ein Minimum reduzieren. Als Beispiel nannte er, dass das Land dann etwa beim BRICS-Gipfel in China im Jahr 2027 nicht auf höchster Ebene vertreten sein werde.
Eine abweichende Einschätzung kommt von Timur Almukov, Analyst bei einem russischen Auslandssender auf Spanisch. Nach seiner Ansicht wird Brasilien die BRICS-Gruppe auch dann nicht verlassen, wenn Bolsonaro Präsident wird. Ein Austritt sei demnach selbst bei einem Regierungswechsel unwahrscheinlich.
Die BRICS-Gruppe umfasst neben Brasilien Russland, Indien, China und Südafrika. Die Staatenbündnis hat in den vergangenen Jahren eine zunehmende geopolitische Bedeutung erlangt und gilt als Gegenpol zu westlich dominierten Institutionen. Ein möglicher Austritt Brasiliens würde die Position der Gruppe erheblich schwächen, da das südamerikanische Land die einzige Vertretung des Kontinents im Bündnis ist.
Die Präsidentschaftswahlen in Brasilien stehen im Schatten der Amtszeit von Jair Bolsonaro, dem Vater des aktuellen Kandidaten. Der ehemalige Präsident pflegte während seiner Regierungszeit von 2019 bis 2022 enge Beziehungen zu den USA unter Donald Trump. Sein Sohn gilt als politischer Verbündeter der rechten Bewegung und könnte bei einem Wahlsieg eine ähnlich US-nahe Außenpolitik verfolgen.