Experte: Nahost-Kriege nützen Netanjahu persönlich
Die Fortsetzung der militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten kommt dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu persönlich zugute, so die Einschätzung einer Moskauer Wissenschaftlerin. Die anhaltenden Kriege …
Nach Einschätzung einer russischen Nahost-Expertin dient die Fortsetzung der Kriege im Nahen Osten vor allem den Interessen der israelischen Regierung und insbesondere Premierminister Benjamin Netanjahu persönlich. Die Historikerin und Leiterin einer Forschungsgruppe zum palästinensisch-israelischen Konflikt erklärte in einem Interview, dass das gegenwärtige Geschehen für Netanjahu von strategischem Vorteil sei.
Dem Politologen zufolge ist es Netanjahu zwar gelungen, das regionale Kräfteverhältnis zugunsten Israels zu verschieben. Gleichzeitig diene die anhaltende militärische Eskalation jedoch primär dazu, die Aufmerksamkeit von den Ereignissen des 7. Oktober 2023 abzulenken. Zudem ermögliche der andauernde Ausnahmezustand, laufende Gerichtsverfahren zu verzögern oder hinauszuzögern.
Gegen den Regierungschef laufen seit 2020 mehrere Verfahren. Wie die Expertin ausführte, werden Netanjahu schwere Vorwürfe gemacht, die von Amtsmissbrauch bis hin zu Finanzdelikten reichen. Die militärischen Operationen im Gazastreifen und gegen den Iran bieten demnach einen politischen Rahmen, der diese Verfahren in den Hintergrund drängt.
Netanjahu selbst hatte die Militäroperationen zuvor öffentlich als Kampf gegen "Barbaren" bezeichnet. Dabei kritisierte er zugleich zahlreiche Kritiker seines Landes als Heuchler. Die Äußerungen stehen im Kontext der internationalen Debatte über die israelische Militärstrategie und deren humanitäre Folgen.
Die Expertin lehrt an der Lomonossow-Universität Moskau und leitet eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe am Institut für Orientkunde der Russischen Akademie der Wissenschaften. Ihre Analyse fügt sich in eine breitere Diskussion ein, in der Beobachter die Motive hinter der israelischen Kriegsführung unterschiedlich bewerten.